Zufrieden: Passempfänger Marvin Rutsch. © IMAGO
München – Je länger das Spiel dauerte, desto mehr verdunkelte sich der Himmel über dem Sportpark in Unterhaching. Ähnlich verhielt es sich mit den Hoffnungen der Prag Lions. Die dunklen Schwingen der Munich Ravens knipsten bei den Gästen schon früh die Lichter aus. Am Ende siegten die Münchner beim Heimauftakt in ihre zweite ELF-Saison mit 51:7.
„Wir wollen wie Alpha-Männchen auftreten“, hatte der neue Cheftrainer Kendral Ellison vor Saisonbeginn angekündigt. Gesagt, getan. Mit einer konsequenten und harten Defensive nahmen die Ravens den noch sieglosen Gästen früh die Lust. Effektive Spielzüge in der Offensive sorgten bereits zur Halbzeit für eine 39:0-Führung der Hausherren. „Es hat sich viel verändert im Vergleich zu letzter Saison, das Team ist zu einer viel größeren Einheit geworden“, so Passempfänger Marvin Rutsch. Nicht selbstverständlich bei 28 Neuzugängen und neuem Trainerteam.
Für einen der Neuzugänge war der erste Heimsieg nicht nur wegen der eigenen zwei Touchdowns ein ganz besonderer. Lorenz Regler, geboren in München, ausgebildet bei den Cowboys und im Sommer aus Frankfurt verpflichtet, erlebte sein ganz persönliches Homecoming-Game. „Ich bin sehr froh vor so einer fantastischen Kulisse spielen zu dürfen“, schwärmte der 28-Jährige.
In der Tat war die Stimmung beim ersten Heimspiel der Ravens seit September sofort gut. Die 3944 Zuschauer in Unterhaching konnten sich bereits ab drei Stunden vor Spielbeginn auf der Pre-Game-Party einstimmen. Final eingeheizt wurde im kontrastreichen Programm dann von Rapmusik und Böllerschützen. Sogar eine kleine Choreo hatte der offizielle Ravens-Fanclub vorbereitet. „Hier ist wirklich richtig Stimmung drin“, bestätigte US-Generalkonsul Tim Liston, der selbst im Ravens-Trikot erschien.
Auch der Wolkenbruch nach Durchgang eins tat der guten Laune keinen Abbruch. Mit „Raining Man“ bewies der Stadion-DJ Feingefühl und ließ das „Ravensnest“ durch die verlängerte Halbzeitpause tanzen. Obwohl sich die Regenwolken zu Wiederanpfiff verzogen hatten, setzte es die nächste kalte Dusche für die Gäste aus Prag. Receiver Jannik Nowak sorgte mit seinem Touchdownpass für das 45:0. „Im Training habe ich diesen Trickspielzug noch überworfen, nun hat es geklappt“, so Nowak. Ebenfalls herausragend in Durchgang zwei: Linebacker Tyler Vaimaona, der zum Spieler des Spiels gewählt wurde. Für einen zu-Null-Sieg reichte das jedoch nicht. Kurz vor Schluss durften auch die zwei Auswärtsfans jubeln.
Im nächsten Heimspiel treffen die Ravens in zwei Wochen auf Stuttgart Surge. Gegen den Divisionsrivalen unterlagen die Münchner zum Saisonauftakt mit 5:27, bis jetzt die einzige Niederlage. Nun wollen sich die Ravens revanchieren, allerdings nicht in Unterhaching, sondern im Nürnberger Max-Morlock-Stadion. CLAAS SCHÖNFELD