Sackwerfen oder lieber Schach?

von Redaktion

Nicht nur zum Spaß: Wenn das DFB-Team spielt, soll das Sinn haben

Trendsport aus Amerika: Cornhole. © Klein

Herzogenaurach – Vor drei Jahren vor und während der EURO im Homeground in Herzogenaurach: Musik lag in der Luft. In einem der Bungalows war eine Band gegründet worden. An den Gitarren: Joshua Kimmich, Serge Gnabry, Kevin Volland. Gesangssupport: Mats Hummels, Kevin Trapp. Sie intonierten „What‘s Up“ von den 4NonBlondes, eine Kamera lief mit, alle konnten den Auftritt sehen, und man dachte: Gute Jungs, gute Stimmung, es wird ein gutes Turnier. Nun ja, das Achtelfinale in England war schon der Schlussakkord.

Und 2024? Hummels, Trapp, Volland und Gnabry sind nicht mehr für die Nationalmannschaft nominiert. Muss Joshua Kimmich also Solokarriere machen? Er weist das von sich. Er hat keine Gitarre dabei. „Ich habe sie an den Nagel gehängt“, gibt er zu, „leider – oder für die anderen glücklicherweise.“

Die Realität im abgeschotteten Homeground : Bei täglich einer Trainingseinheit gibt es viel Freizeit, die miteinander gestaltet werden muss. Wie also gestaltet sich der Alltag im Franken-Campo? „Es ist kaum einer auf dem Zimmer“, verrät Benjamin Henrichs. „Es wird viel gespielt: von FIFA über Karten bis zu diesem neuen Sackwerfen. Wie heißt es gleich wieder? Cornhole. Gerade die Nummer eins bei uns.“

Ein neuer Trend aus den USA. Es werden Säckchen auf eine angehobene Plattform mit einem Loch geworfen. Ein Spiel mit Zukunft? Dachte man 2021 von TeqBall auch, einer Mischung aus Tischtennis und Fußball über einen gewölbten Tisch. Die Bilder von begeisterten Teqball-Jüngern aus dem DFB-Quartier brachten der jungen Sportart (gegründet 2015) nicht den erhofften Popularitätsschub.

Ein Comeback erlebt die Königin der Spiele: Schach. Seit dem DFB-Trainingslager im Weimarer Land läuft eine Serie zwischen Henrichs und dem Ex-Klampfer Kimmich. „Jo ist mir ein bisschen voraus, er gerät zwar immer in Zeitprobleme, gewinnt aber doch“, so Henrichs. Er steht in Leipzig unter Vertrag, dort werden die Spieler zur Beschäftigung mit dem strategischen Schach ermuntert. Vor allem der Spanier Dani Olmo ist ein großer Fan – „weil er gegen mich spielt“ (Henrichs). Bei der Nationalmannschaft spielte er zunächst für sich auf dem Smartphone, was Joshua Kimmich bemerkte und ihn forderte. „Und sofort waren Leroy und Jamal da, die spielen es auch.“ Henrichs, Kimmich, Sané, Musiala – der Schach-Club im DFB. Henrichs: „Man muss in der Freizeit nicht nur am Handy hängen, man kann auch schlauer werden.“

Mittlerweile ein Klassiker ist die Beschäftigung mit der Spielkonsole. Jonathan Tah bekennt sich zu „Mario Kart“, und Maximilian Beier, mit 21 im besten E-Sports-Alter, wunderte sich, dass es einen Konsolen-Altmeiste gibt, den er eher beim traditionellen Kartenspiel verortet hätte: Thomas Müller, 34.

Freilich: Es gab ja auch mal eine Zeit, in der Müller noch keine Fachbücher über Pferdezucht las. Im ersten Haus richtete er sich 2010 ein Spielezimmer ein. Heute kommt er kaum noch dazu, die Simulation FIFA (nun EA Sports FC) zu spielen, „aber die Steuerung hat sich nicht verändert.“ Der Rest ist Instinkt und Raumdeutung – beherrscht er eben auch im Virtuellen. GÜNTER KLEIN

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