Silber für Krause nach Protest-Wirrwarr

von Redaktion

Medaillen-Chaos bei Leichtathletik-EM

Emotionale Achterbahnfahrt bei der Leichtathletik-EM in Rom: Erst Silber, dann Gold und dann doch wieder Silber für 3000-Meter-Hinderniss-Läuferin Gesa Krause. © IMAGO

Rom – Nach ihrer „emotionalen Achterbahnfahrt“ durch die Römer Nacht fühlte sich EM-Silber für Gesa Felicitas Krause sogar deutlich besser an als Gold. „Ich bin froh, dass das Ergebnis jetzt so steht und das Sportliche Vorrang hat“, sagte die deutsche Hindernisläuferin zum Protest-Chaos nach ihrem Rennen über 3000 m: „Ich bin als Zweite ins Ziel gekommen, Alice Finot hat verdient Gold gewonnen.“

Ein Hick-Hack hinter den Kulissen ließ Krause und auch die Zuschauer bei der Leichtathletik-EM in Italien lange im Unklaren, wie die Entscheidung am Sonntagabend im Stadio Olimpico gewertet wurde. Erst weit nach Mitternacht hatte Krause die Gewissheit, dass sie ihr Meisterschaftscomeback nach Babypause mit Silber und nicht – wie zwischenzeitlich in den Ergebnislisten abgebildet – mit Gold krönte.

„Lola, Mama hat dich lieb“, rief die zweimalige Europameisterin ihrer einjährigen Tochter über das ARD-Mikrofon in die Heimat zu. Da war von einer Disqualifikation der Französin Finot, die nach dem letzten Wassergraben mehrfach auf eine Bahnmarkierung getreten war, noch keine Rede gewesen. „Es war das schönste Jahr meines Lebens, meine Tochter aufwachsen zu sehen und nebenbei einen Traum wie heute wieder anzugreifen“, schwärmte Krause. „Nach meiner Vorgeschichte ist das wie ein Sieg.“

Durch die anhaltende Verwirrung um ihre Platzierung geriet Krauses Leistung ein wenig in den Hintergrund, dabei war diese höchst beeindruckend. Wie vor der Geburt ihrer Tochter im vergangenen Frühjahr bewies die zweimalige Europameisterin und WM-Dritte nicht nur läuferische Extraklasse, sondern auch ihr taktisches Geschick.

Beinahe unsichtbar bestritt Krause das Rennen hinter der Spitze, ehe sie auf der Schlussrunde, als Pinot „abging wie ein Schnitzel“, dran blieb und Silber sicherte. „Ich war extrem nervös“, gab Krause zu. Allerdings habe sich die Aufregung bei der Fahrt ins Stadion gelegt. „Ich habe heute mit meiner Tochter gefacetimed. Wenn sie mich anlächelt, dann ist alles wieder gut.“

Auf ihre Medaille musste Krause zunächst warten, die Siegerehrung wurde wegen der unklaren Lage vom späten Sonntagabend auf Montag verlegt. Der Deutsche Leichtathletik-Verband hielt an dem Wirrwarr nach eigenen Angaben „keine Aktien“, wie Jörg Bügner bekräftigte.

„Wir haben keinen Protest eingelegt“, stellte der DLV-Sportvorstand klar. Die Disqualifikation der Französin sei durch einen Schiedsrichter erfolgt. „Wir haben lediglich Videomaterial angefragt, da wir Hinweise erhalten haben, dass es zu einem Regelverstoß gekommen sein könnte“, sagte Bügner. Protest sei dann wiederum durch Frankreich erfolgt, diesem sei stattgegeben worden.

Krause konnte mit dem Sieg des Sports, Finot verschaffte sich durch ihre Fehltritte keinen Vorteil, gut leben. Er war Bestätigung und Antrieb für ihr großes Ziel in diesem Sommer – Olympia. „Der Traum, auf dem Podium zu stehen, der ist einfach da“, sagte Krause.
SID

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