„Wir haben ein besonderes Niveau“

von Redaktion

Niclas Füllkrug glaubt an deutsche Offensivkraft bei der EM

Weitere Option für Trainer Nagelsmann: Leroy Sané ist wieder einsatzfähig. © dpa

Hochbegabte, die Tore erzielen sollen: Kai Havertz und Jamal Musiala. Obwohl noch jung, bringen sie beide Turniererfahrung mit. © dpa

Zurück von seiner spontanen Abi-Fahrt: Niclas Füllkrug geht mit natürlicher Lockerheit in die EM. © dpa

Herzogenaurach – Niclas Füllkrug ist in Herzogenaurach angekommen, und er versichert, dass es ihm gut geht.

Das ist tatsächlich eine Nachrichtenlage, denn zum einen tauchten am freien Wochenende der Nationalmannschaft Gerüchte auf um gesundheitliche Unpässlichkeiten des Stürmers – die er gestern aber glaubwürdig entkräftete: „Mit 31 zwickt‘s immer irgendwo. Aber ich habe bislang jedes Training bestritten und am Freitag meine Einwechslung normal gespielt.“ Zum anderen: Weil sich das kaputte Stellwerk der Deutschen Bahn bei Nürnberg am Sonntag als Endgegner für den Zugverkehr in fast ganz Deutschland erwies, reiste Füllkrug schon am Abend vor dem Wiederzusammenkommen des Teams nach Herzogenaurach an. „Die Züge ab Hannover waren doppelt und dreifach besetzt, so habe ich eine Abi-Abschlussfahrt mitgemacht.“ Der Nationalspieler also im Zentrum eines spontanen Talks über den Fußball. „Das waren ordentliche Jungs, die Fragen oberflächlich – also ein Gespräch auf Augenhöhe.“

Eine naheliegende Frage, die aber die gesamte Fußballnation kurz vor dem Auftakt der Europameisterschaft bewegt, lautet: Wer wird die Tore schießen für das Team von Julian Nagelsmann? Beim 0:0 gegen die Ukraine gelang offensiv fast nichts, beim 2:1 gegen Griechenland wunderte sich Niclas Füllkrug, der erst in der 69. Minute zum Einsatz kam, „über die Trägheit, die da reingekommen ist. Das hat mich für das letzte Spiel vor einem Turnier gewundert.“ Und er war für sich dann unzufrieden.

Obwohl alles ein wenig stockend verlief in den beiden Tests, glaubt Füllkrug, „dass wenige Mannschaften sich freuen werden, gegen unsere Offensive zu spielen – und damit meine ich nicht nur Kai und mich. Das ist schon ein besonderes Niveau, das wir da haben.“ Zur Offensive zählen neben ihm und Kai Havertz nämlich auch Leroy Sané, Florian Wirth, Jamal Musiala, Thomas Müller, um die international bekannten Spieler zu benennen. Füllkrug geht auch davon aus, „dass es grundsätzlich gut ist für einen Kader, zwei unterschiedliche Mittelstürmer-Typen zu haben. Kai definiert sich über ein ganz anderes Spiel.“

Bundestrainer Nagelsmann hat für die Sturmspitze eine Hierarchie festgelegt. In der steht Havertz, 24, eigentlich als Mittelfeldspieler aufgewachsen, auf Platz eins. Dass er als der Mann dahinter, der Joker, eingeplant ist, hat Füllkrug in einem Rollengespräch erfahren. „Ich bin einer, der Ehrlichkeit zurückgibt, wenn er Ehrlichkeit erfährt, und habe meine Meinung kundgetan.“ Nämlich: Dass er sich für geeigneter hielte.. Und es sei für ihn leistbar, für den Moment zurückzustehen. „Uns wird in den Nachwuchsleistungszentren von Anfang an Konkurrenzdenken beigebracht“, erklärt Füllkrug. Wer es nicht akzeptiere, erreiche nicht das Niveau, auf dem es „um eine große Sache geht“. Darum: „Kai hat meine maximale Unterstützung, ich wünsche ihm jedes Tor, das er nur machen kann.“

Wie heiß Füllkrug auf die EM ist, zeigte sich wenig später beim öffentlichen Training, als es zwischen dem Stürmer und Innenverteidiger Antonio Rüdiger zu einem kleinen Streit kam. Bei einer Flanken-Übung waren die beiden laut Bild immer wieder aneinander geraten. Nach einem harten Zweikampf lag Füllkrug am Boden und beschwerte sich lautstark bei Rüdiger. Assistenz-Trainer Sandro Wagner musste eingreifen und schlichten.

Havertz hatte nach anfänglichen Schwierigkeiten eine gute Saison beim FC Arsenal, und Füllkrug, kurz vor Transferschluss zu Borussia Dortmund gewechselt, fand sich auch ganz okay. EM? Kann kommen. GÜNTER KLEIN

Artikel 1 von 11