Die EURO 2024 ist das erste richtige Post-Corona-Turnier. Die WM 2022 war noch ein bisschen pandemisch, den englischen Spielern beispielsweise durfte man sich als Reporter in Katar nur nähern, wenn man eine Maske aufsetzte; der Verband hatte eine große Schachtel dabei, aus der man sich bedienen konnte, wenn man nicht selbst versorgt war. Einige Teams, das französische etwa, beklagten auch Ausfälle durch Infektionen, bei denen die Betroffenen Halsweh und Fieber bekamen. So umschrieb man es, das böse C-Wort sollte vermieden werden.
Wir am deutschen Quartierstandort Herzogenaurach bemerken den Unterschied zum Jahr 2021, als der DFB-Kader zur pankontinentalen EM auch schon bei Adidas wohnte, sehr deutlich. Wenn wir vor drei Jahren aus dem Parkhaus kamen, mussten wir auf dem Weg zum Medienzentrum durch die Corona-Teststation. Hatte man einen Tag lang mit den DFB-Schnelltests ausgesetzt, weil man bei einem Spiel gewesen war, musste man mit PCR-Ergebnis anreisen – dann gab’s das Wattestäbchen in die Nase und fast bis hoch zum Hirn. Nach Verlassen der Testbox Niesanfall. Am Eingang zum Adidas-Gebäude schließlich Warten, bis das negative Ergebnis vorlag.
Pressekonferenzen waren virtuell. Wir saßen in einer riesigen Turnhalle an Einzeltischen, zwischen denen Trennwände standen. Jogi Löw und die Spieler waren irgendwo anders – und bei uns nur auf dem Bildschirm. Wir mussten nicht nur Masken tragen, sondern auch Abstandshalter, die mahnend piepsten, wenn eine andere Person näherkam als eineinhalb Meter.
2024 sind wir wieder in besagter Turnhalle. Und sehen, was sie kann. Jetzt ist sie ein schickes Loft mit Arbeitsbereich, Pressekonferenzpodium und Stühlen davor, mit Tischtennisplatte, Kicker, kommoden Sitzgruppen, Kaffeeautomaten, Kühlschränken. Und das Catering geht weit über das eingeschweißte Croissant hinaus, es gibt Früchte, Wraps, warmes Essen!
Wir genießen einfach mal, dass es gerade so ist. Denn aus den Talkshows wissen wir: Die nächste Epidemie kommt bestimmt. Deswegen ist nach Corona vor irgendwas anderem.