„Ismaik kann dort nicht gewinnen“

von Redaktion

Fan-Organisation warnt den Investor der Löwen: Die Mitgliederversammlung am Sonntag wird heiß

Beim Besuch in unserer Redaktion: Bündnis-Kandidat Klaus Lutz (l.) und Hasan Ismaik. © Stefan Matzke / sampics

München – Mit einer sieben Kandidaten umfassenden Liste tritt das „Bündnis Zukunft 1860“ am Sonntag bei der Mitgliederversammlung an, um möglichst viele der neun zu vergebenden Plätze im Verwaltungsrat zu ergattern. Jetzt hat die Fanvereinigung Pro1860 nun ihrerseits Wahlempfehlungen veröffentlicht. Unsere Zeitung hat mit den Vorständen Herbert Bergmaier und Eva Modlmayer gesprochen.

Wie kommt es zur Wahlempfehlung von Pro1860?

Herbert Bergmaier: Seit der Satzungsreform, in der den Mitgliedern die Direktwahl ermöglicht wurde, gab es inzwischen sechs Wahlen zum Verwaltungsrat. Nur dieses Mal und als Reaktion auf die Liste des „Team Profifußball“ hat PRO1860 mit eigenen Vorschlägen reagiert. Jetzt ist unsere Wahlempfehlung eine Reaktion auf die Liste des Bündnis Zukunft. Wir haben durchaus Probleme damit, sie abzugeben. Es ist nur so: In dem Moment, in dem eine Gruppierung mit x Kandidaten antritt, wird es für andere schwer, sich durchzusetzen. Wir werden von vielen Menschen gefragt: Wen sollen wir denn wählen? Dann ist es uns lieber, dass wir offensiv sagen, wen wir eben empfehlen – statt das unter der Hand zu machen.

Sie empfehlen, den aktuellen Verwaltungsrat sowie Christian Dierl und Martin Obermüller zu wählen. Wieso empfehlen sie keinen Kandidaten des Bündnisses, zum Beispiel Martin Gräfer?

Bergmaier: Herr Gräfer ist sozusagen der Chef des Hauptsponsors. Ihn sehen wir sehr viel besser in einem Gremium der KGaA aufgehoben, als in einem Gremium des e.V., wo es zum Beispiel darum geht, den Haushaltsplan für die Abteilungen des e.V. aufzustellen oder die Belegungsordnung für die Bergsteigerhütte zu ändern. Ich bezweifle dann doch, dass so etwas den Herrn Gräfer interessiert.

Was spricht gegen Klaus Lutz?

Bergmaier: Was aus unserer Sicht für die von uns empfohlenen Kandidaten spricht: Herr Dierl und Herr Obermüller sind beide seit Jahren extrem aktiv, um dem e.V. zu helfen. Jetzt kurz vor der Wahl mal kurz bei den Boxern vorbeizuschauen und dann zu sagen: ich bin schockiert über die sanitären Anlagen, und zu betonen, dass man Lebensmitglied sei – das reicht für uns nicht aus.

Zur Wahrheit gehört auch, dass sie auch deswegen keinen Kandidaten des Bündnisses zur Wahl empfehlen, weil es – anders als Pro1860 – wieder eine enge Abstimmung mit Investor Hasan Ismaik anstrebt. Warum glauben Sie, dass ihr Kurs in naher Zukunft (doch noch) zum Aufstieg führt?

Eva Modlmayr: Amtsträger des e.V. sind dazu da, den Mutterverein zu vertreten. Jedes Gespräch, das auf Augenhöhe mit Herrn Ismaik stattfindet, wird von ihm allein deshalb schon als respektlos empfunden. Unter Peter Cassalette haben wir gesehen, was passieren kann, wenn man allem zustimmt. Was wäre künftig das Resultat? Womöglich noch mehr Schulden und ein erneuter Abstieg.

Bergmaier: Die aktuelle Vereinsführung hat lange versucht, kooperativ mit dem Investor zu arbeiten. Aber es geht nicht um eine enge Zusammenarbeit, sondern es geht um Unterwerfung.

Wie blicken Sie auf den 16. Juni voraus?

Bergmaier: Ich hoffe für Hasan Ismaik, dass er dort keinen Schaden nimmt. Körperlich wird ihm natürlich nichts passieren. Aber ich fürchte, dass es sehr desillusionierend sein wird. Er kann durch die Teilnahme nicht gewinnen. Selbst beim Bündnis bin ich mir da nicht sicher.

Inwiefern?

Bergmaier: Ich hoffe, dass er sein Gesicht nicht verliert. Da kommen vielleicht 1200 oder 1600 Löwen mit unterschiedlichsten Meinungen. Es werden aber wahrscheinlich keine Banner mit der Aufschrift „Willkommen, Hasan Ismaik“ in der Halle hängen, wie es bei einigen Fanclub-Treffen der Fall war und wenn, dann nicht nur diese Banner.

INTERVIEW: JOHANNES OHR

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