EM-Titel erfolgreich verteidigt: Leonie Beck. © afp
Belgrad – Nach dem goldenen Fotofinish nach doppelter Aufholjagd war Leonie Beck von den Strapazen der zehn Kilometer nichts anzumerken. Die alte und neue Freiwasser-Europameisterin strahlte übers ganze Gesicht. Durch ihren Sieg bei der EM in Belgrad unterstrich die 27-Jährige 57 Tage vor dem Olympiarennen ihre Ambitionen auf eine Medaille. Bei den Männern triumphierte in Abwesenheit des Olympiasiegers Florian Wellbrock dessen italienischer Dauerrivale Gregorio Paltrinieri. Bester Deutscher war Niklas Frach als Achter.
„Das ist ein großartiges Ergebnis auf dem Weg nach Paris“, sagte Beck. „Es war ein tolles Rennen. Ich habe im Finish alles gegeben.“ Nach 2:00:54,8 Stunden hatte die dreimalige Weltmeisterin nur eine Zehntelsekunde vor der Italienerin Barbara Pozzobon angeschlagen – obwohl sie eigentlich schon 800 m zuvor an ihr vorbeigezogen war. Doch dann schwamm die Würzburgerin nicht die Ideallinie und stellte an der letzten Boje fest, dass sie wieder deutlich zurücklag. Mit einem furiosen Endspurt holte Beck Pozzobon noch einmal ein und schlug ganz knapp vor ihr an.
Auch wenn die niederländische Olympiasiegerin und aktuelle Weltmeisterin Sharon van Rouwendaal sowie die Konkurrentinnen aus Übersee fehlten, war der erfolgreiche Test für Olympia wichtig. „Ein gutes Resultat ist immer gut für den Kopf“, sagte Beck, die im vergangenen Jahr mit ihrem Doppeltriumph bei der WM in Japan und ihrem Weltcupgesamtsieg das Freiwasserschwimmen bei den Frauen dominiert hatte. Im Februar in Katar hatte sie ihre beiden WM-Titel verloren – vor allem, weil sie mit der niedrigen Wassertemperatur nicht klarkam.
Im Hinblick auf Olympia bereiten Beck vor allem die Meldungen über die schlechte Wasserqualität in der Seine Sorgen. Trotz Investitionen von 1,4 Milliarden Euro musste zuletzt erneut ein Testrennen abgesagt werden, weil der Fluss nach Regenfällen mit Fäkalien, Pestiziden und Abfall verdreckt war. In der Seine werde „die Gesundheit der Athleten riskiert“, meint Beck. Stattdessen sollte lieber „auf der Ruderregattastrecke oder in einem See“ geschwommen werden. „Ich denke, dass der mediale Druck jetzt auch zunimmt, weil die Leute sagen, die Seine ist die Toilette von Paris.“
SID