Nico Ohnheiser (l.) zusammen mit Tiemo Schumacher, Mitarbeiter der FCA-Fußballschule. © MM
München – Vor 5000 Leuten hat Nico Ohnheiser schon mal gespielt. Das war beim Pape-Cup in Magdeburg, dort ist das Talent des FC Augsburg gegen andere Nachwuchsteams aus ganz Deutschland aufgelaufen.
An diesem Freitagabend steht Ohnheiser nun vor 75 000 Zuschauern auf dem Rasen, dazu schauen hunderte Millionen Menschen vor dem Fernseher zu: Der Jugendspieler ist nämlich einer der Fahnenträger, die für die Eröffnungszeremonie vor dem Auftaktspiel der EM gelost wurden. Wie kam es dazu?
„Ich habe mich beim Gewinnspiel beworben, aber gar nicht damit gerechnet, dass es klappt“, sagt Tiemo Schumacher, Mitarbeiter der FCA-Fußballschule. Über Telekom und die Münchner Marketingagentur mataracan wurden Karten für die Eröffnungsfeier verlost, Schumacher hätte seinen Gewinn aber fast verpasst: Nachdem er die Bestätigungsmail zwei Tage übersehen hatte, blieb nicht mehr viel Zeit, um die Tickets anzunehmen.
Mit seiner Karte gewann er einen Platz auf der Tribüne, die zweite stellte ihn vor eine Entscheidung: Für die Eröffnungszeremonie, bei der zwölf- bis 16-Jährige die überdimensionalen Flaggen Deutschlands und Schottlands aufs Feld tragen werden, musste er einen passenden Gewinner finden. Also fragte Schumacher in der damaligen U16 des FCA nach, welcher Spieler sich die Gelegenheit verdient hätte. „Da ging es mir darum, einen Nachwuchsspieler zu belohnen, der sich immer reinhaut, fair ist und sich nicht in den Vordergrund drängt.“ Der Co-Trainer empfahl ihm Ohnheiser, Spielmacher im Jugendteam und seit acht Jahren im Nachwuchs der Fuggerstädter.
„Für mich ist das ein absoluter Traum“, sagt das Talent über seinen Auftritt beim Eröffnungsspiel. Sechs Stunden vor Anpfiff wird Ohnheiser heute von der UEFA abgeholt und zum Stadion gebracht, dann geht sein Arbeitstag los. Zusammen mit den anderen Gewinnern wird das Ausrollen der Flagge geübt und sie testweise aufs Spielfeld getragen.
Dabei gibt es einheitliche Jogginganzüge von Adidas für jeden, ansonsten ist im Vorhinein recht wenig klar. Ob er die schottische oder deutsche Fahne tragen wird, weiß Ohnheiser noch nicht. Die einzigen Vorgaben, die es bislang gab, lauten: die Spieler in Ruhe lassen und keine großen Rucksäcke mitnehmen.
Wie nervös ist er vor dem Aufritt? „Ein bisschen aufgeregt ist man natürlich, aber die Vorfreude auf das Spiel überwiegt ganz klar“, sagt Ohnheiser. Es ist nicht die erste Reise nach München, als Fan war er bereits in der Allianz Arena. Und noch im April holte er mit Augsburg auf dem FCB-Campus ein 1:1 gegen den Nachwuchs des Rekordmeisters.
Sein Ziel ist es Profi zu werden, als Vorbild nennt er Toni Kroos und Jamal Musiala. Eines Tages will Ohnheiser auch als Spieler auf dem Rasen der Allianz Arena auflaufen, am liebsten als Profi des FCA. Die Eröffnungsfeier ist ein erster Vorgeschmack. VINZENT TSCHIRPKE