Sportbischof Stefan Oster beim Gottesdienst vor dem DFB-Pokalfinale. © DBK
Wenn an diesem Freitag das Eröffnungsspiel losgeht, steht die deutsche Nationalmannschaft unter seinem Segen: Stefan Oster leitet um 11 Uhr einen ökumenischen Gottesdienst zum EM-Start. In der Münchner St. Michael Kirche wird der Pastor vor dem Turnier für Frieden und Zusammenhalt beten. Ob er auch ein gutes Wort für die DFB-Elf einlegen kann? „Gott ist unparteiisch!“, erklärt Oster lachend. Im Interview mit unserer Zeitung spricht er über die Gemeinsamkeiten von Religion und Fußball – und wie es ist, wenn Frankfurt-Fans in der Kirche singen.
Stefan Oster, Sie halten vor dem Eröffnungsspiel der EM einen ökumenischen Gottesdienst – wieso?
Ich habe einen solchen Gottesdienst bereits vor dem DFB-Pokalfinale im vergangenen Jahr gehalten. Vor einem großen Ereignis wie der EM wollen wir uns den Segen Gottes holen, auch dieses Mal sind Fans, Funktionäre und sogar die Spieler eingeladen – auch wenn es da zeitlich schwierig werden könnte (lacht).
Worum geht es in dem Gottesdienst?
Wir erbitten den Segen Gottes für die Spiele und wollen auf unsere Werte aufmerksam machen. Und so hoffen wir auf eine gute EM.
Welche Werte sind das?
Respekt voreinander, Frieden, vor allem aber ein gemeinsames Miteinander. Der Gottesdienst steht unter dem Motto „United“, er soll die Menschen verbinden. Egal, welches Team man anfeuert: Jeder soll den Segen Gottes für dieses Turnier erhalten – weil alle Kinder Gottes sind.
Sie tragen den Titel „Sportbischof“. Wie kam es dazu?
Es gibt seit Jahren in der deutschen Bischofskonferenz einen Ansprechpartner für das Thema Sport. Ich bin ein wenig sportaffin und Mitglied unserer Jugendkommission. So hat es sich ergeben. Es geht darum, auch aus unserer Sicht das Thema Sport zu beleuchten – mit seinen wunderbaren, aber auch mit seinen kritischen Seiten.
Liegt darin der Unterschied zwischen einem normalen Gottesdienst und dem ökumenischen Gottesdienst vor der EM?
Mir ist es gerade vor der Europameisterschaft wichtig, auf das Thema Zusammenhalt in Europa einzugehen. Für andere Werte wie die Demokratie, den Frieden oder den Dienst am Nächsten stehen wir von Kirche immer ein. Unabhängig davon, ob im Anschluss ein Fußballspiel läuft. Aber der Krieg in der Ukraine macht exemplarisch deutlich, wie bestimmte Werte – auch in Europa – bedroht sind.
Sie halten den Gottesdienst im Voraus der EM – bräuchte es nicht eher eine Messe nach dem möglichen Ausscheiden der deutschen Mannschaft, um die Menschen zu trösten?
(Lacht.) Ich hoffe, dass das nicht nötig sein wird.
Und könnten Sie bei Gott ein gutes Wort für die DFB-Elf einlegen?
Ich bete für gute Spiele – aber Gott ist ziemlich sicher nicht parteiisch.
Als Sportbischof müssen Sie es wissen: Welche Gemeinsamkeiten gibt es zwischen Fußball und Religion?
Dazu gibt es sogar Studien: der Stadionbesuch als Ritual; die Helden, die für die gute Sache aufs Feld ziehen. Man lebt auf den Samstag hin, an dem das Spiel ist, außerdem gibt es bestimmte Choreografien, gemeinsame Gesänge. Da kann man schonmal auf den Gedanken kommen, dass das für manche eine Ersatz ist.
Auch der Spruch „You’ll never walk alone“ bedeutet, dass Fußball Gemeinschaft und Halt bietet.
Ja, das sind alles Parallelen zur Gottesdienstfeier. Auch wenn Gottesdienste mit Fußballfans nochmal eigen sind. Und natürlich geht es in unserer Feier um Gemeinschaft mit Gott und nicht primär um den Sieg beim Fußball.
Inwiefern?
Eine kuriose Anekdote dazu: Im vergangenen Jahr vor dem Pokalfinale habe ich versucht, vor der Kirche die Fans von Eintracht Frankfurt zum Gottesdienst einzuladen. Ich hab sie gefragt: Glaubt Ihr an Gott? Und wie aus der Pistole geschossen kam ein Fangesang: „Alex Meier Fußballgott“ (Ex-Profi von Frankfurt). Das fand ich dann doch lustig!
INTERVIEW: VINZENT TSCHIRPKE