Auch DFB-Fan: 1860-Investor Hasan Ismaik. © HI
München – Seit fast drei Wochen ist das Charles Hotel das Münchner Zuhause von Hasan Ismaik. Zur morgendlichen Lektüre des Löwen-Investors gehört unsere Zeitung – und als er dort gestern das Interview mit Pro1860-Vorstand Herbert Bergmaier entdeckte, griff er spontan zum Telefon. Vor allem eine Aussage stimmt Ismaik nachdenklich: „Dass Herr Bergmaier meint, ich könne Schaden nehmen. Wieso sorgt er sich um mein Wohlbefinden? Und wieso rät er mir ab, am Sonntag zu kommen?“
Gemeint natürlich: die Mitgliederversammlung im Zenith, bei dem die Löwen-Basis einen neuen Verwaltungsrat wählt. 23 Kandidaten stehen auf der Liste, neun werden von Pro1860 empfohlen, sieben vom „Bündnis Zukunft 1860“, von dem sich Ismaik einen Neustart erhofft. Ismaiks Befürchtung ist, dass es ein Auswärtsspiel wird, das nicht zu gewinnen ist. „Mein Gefühl sagt mir, dass alles dafür getan wird, dass der alte Verwaltungsrat wieder die Wahl gewinnen soll.. Alles, was sie tun, scheint nur dem Ziel zu dienen, mich loszuwerden. Es ist die Ideologie von Menschen, die die Fans anlügen.“ Ein Treffen mit Pro1860, zwei Wochen her, bestärkt ihn in dieser Annahme: „Herr Bergmaier hat mir damals erzählt, wie sie die Satzung über die Jahre geändert haben. Dabei lächelte er stolz. Ich glaube, dass die Leute von Pro1860 Angst haben, ihre Macht zu verlieren.“
Irritierend findet Ismaik auch, dass ihm seitens der KGaA-Geschäftsleitung untersagt wurde, eine für diesen Freitag geplante Fan-Sprechstunde auf dem Vereinsgelände abzuhalten. Die schriftliche Begründung: Das Trainingsgelände sei „kein Ort für Wahlveranstaltungen“. Der Jordanier, der am Abend das EM-Auftaktspiel live in der Arena erleben will (im pinken DFB-Trikot): „Dabei ist es mein Büro – und mir gehören 60 Prozent an der KGaA.“
Aber: Aufgeben kommt für Ismaik nicht infrage. Er hat jetzt so viel Zeit und Geld investiert – da wird er nicht kurz vor dem Finale einknicken: Ich bin Mitglied des Vereins und werde kommen, um mein Wahlrecht wahrzunehmen. Von mir aus können sie mich auspfeifen oder Lieder singen, das macht mir nichts aus. Als ich nach Abu Dhabi kam, habe ich 19 Stunden am Tag gearbeitet. Von mir aus kann es am Sonntag auch 20 Stunden dauern.“ Mit einem Grinsen fügt er hinzu: „Nur eine Sache stört mich: Dass ich in der Halle nicht Zigarre rauchen kann.“ ULI KELLNER