Leiden für den Titel

von Redaktion

Bayerns Basketballer könnten in Berlin die sechste Meisterschaft einfahren

Meiner! Devin Booker (r.) will mit den Bayern unbedingt an diesem Freitag das Finale entscheiden. © Gora/dpa

Berlin – Zehn Sekunden vor Schluss rutschte Luis Olinde, bis dahin eigentlich einer von Berlins Besten, der Ball durch die Finger. Isaac Bonga packte zu und wischte auch die letzten Zweifel beiseite. Am Ende stand ein 67:63 für die Basketballer des FC Bayern, das die Vorteile in dieser Finalserie wieder allesamt auf Münchner Seite zieht. Schon am Freitagabend (18.00 Uhr/Dyn) in der vierten Partie könnten die Bayern den Titel klarmachen.

Und dass das so ist, hat wohl viel mit den Erkenntnissen aus Spiel zwei zu tun, als das Team von Trainer Pablo Laso ziemlich schmerzhaft vor Augen geführt bekommen hatten, dass der Weg zur Trophäe gegen kämpferische Berliner nur über eine gehörige Portion Leidensfähigkeit führt.

Dass die Reaktion so ausfallen würde wie am Mittwochabend in Spiel drei gesehen, war auch für Bayerns Basketball-Chef Marko Pesic absehbar. „Die Spieler haben selbst gemerkt, dass es so, wie wir da aufgetreten sind, nicht reicht.“

Vor allem war es bemerkenswert, wie Vladimir Lucic und Kollegen vor allem in der entscheidenden Phase zuschlugen. Nach einem allerdings diskutablen technischen Foul gegen Olinde versenkte Andi Obst den fälligen Freiwurf, Carsen Edwards packte einen Dreier drauf – es waren die vier Punkte Vorsprung, die die Bayern letztlich auch ins Ziel brachten.

Dass später auch über die Unparteiischen diskutiert wurde, liegt auf der Hand. Auch Pesic hatte zwei Tage zuvor lange mit den Verantwortlichen diskutiert. Wobei das für ihn mehr als die übliche Finalfolklore war. Den Bayern-Chef verstimmt es schon länger, dass einige Regeln in der BBL anders ausgelegt werden als im internationalen Geschäft. „Das ist etwas, worüber wir nach der Saison reden müssen.“

Auch das ist eine Auffälligkeit in dieser Serie. Das gegenseitige Säbelrasseln ist zurückhaltend. Das war schon ganz anders im sogenannten Basketball-Klassiker. Selbst Berlins freundlicher Sportchef Himar Ojeda sorgte einst für Aufregung, als er Bayern-Kapitän Vladimir Lucic in einem Interview als „Schauspieler“ bezeichnete. Lucic ist bis heute nicht unbedingt ein Publikumsliebling in Berlin – doch vergleichbare Attacken blieben bislang aus.

Den Bayern ist es erst einmal egal, es vor allem der Titel her. . Ernste Zweifel, dass es damit klappen wird, hatte Pesic schon vor dem Erfolg im, oftmals als Schlüsselspiel bezeichneten, dritten Duell nicht. „Ich sehe keinen Grund, warum wir nicht Meister werden sollen.“

Zumindest haben sich die Bayern nun ja eine Blaupause verschafft, wie es mit der Meisterkür am Freitag im Vorprogramm der Fußball-Europameisterschaft klappen könnte. Die übrigens eine nette Analogie zum ersten Titelgewinn der Münchner-Basketball-Neuzeit 2014 wäre, den der Club aufgrund des zehnjährigen Jubiläums ja sogar in sein aktuelles Playoff-Motto (2014 We still have a team 2024) mit aufnahm. Auch damals brachten die Bayern die Meisterschaft in der Arena am Berliner Ostbahnhof unter Dach und Fach.

So soll es nun wieder kommen. Das alles entscheidende Spiel fünf am Sonntag würde man dann doch gerne vermeiden – so schön eine Titelfeier in heimischer Umgebung auch wäre. Der Weg zum Titel wird vermutlich mit Schmerzen verbunden sein gegen ein Alba-Team, das über die gesamten Playoffs hinweg bemerkenswerte Stehauf-Qualitäten bewiesen hat.

Das ahnt auch Trainer Pablo Laso. „Es ist nicht vorbei“, sagte er am Mittwoch, „wir werden noch einmal hart arbeiten müssen.“ PATRICK REICHELT

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