So schön heiß wird‘s diesmal nicht: Fans bei der Fußball-WM 2006. © mzv
München/Hamburg – Der Wettergott, wenn es ihn denn gibt, meint es zumindest zum Auftakt gut mit den deutschen EM-Machern. Wenn an diesem Freitagabend das Eröffnungsspiel des DFB-Teams gegen Schottland angepfiffen wird, dürften traumhafte (TV-)Bilder in die Welt hinaus flimmern. Milde 16 Grad, wolkenloser Himmel, kein Regen – Fußballherz, was willst du mehr?
Doch auch wenn die Vorhersage für den Turnierauftakt okay ist: Ein neues Sommermärchen ist nicht in Sicht. So schwer ein Blick in die Glaskugel auch fällt, kurz vor dem Start dämpft das vielerorts unbeständige Wetter die aufkeimende EM-Euphorie. Die Aussichten sind maximal wechselhaft – zumindest die Teams nehmen es mit Humor.
„Wahrscheinlich haben wir das schlechte Wetter mitgebracht“, witzelte etwa der schottische Co-Trainer John Carver angesichts des allgemeinen Schauerwetters. Ronald Koeman, Bondscoach der hoch gehandelten Niederländer, berichtete nach der ersten Nacht im Oranje-Basecamp in Wolfsburg: „Ich habe hervorragend geschlafen. Nur das Wetter spielt noch nicht mit – Regen, Wind und Dunkelheit.“
Die Aussichten auf die Turnierwochen könnten fürwahr besser sein. Zumal sich ein Wetterumschwung mit Turnierstart wie bei der WM vor 18 Jahren nicht im Geringsten andeutet. „Wir sehen im Moment nicht, dass sich die Wetterlage so umstellt, dass wir ein Megahoch in der Nähe hätten, das uns Sommerwetter mit entsprechenden Temperaturen bringt“, sagte Sabine Krüger vom Deutschen Wetterdienst der Kölnischen Rundschau. Im Gegenteil. „Es scheint insgesamt wechselhaft zu bleiben, warme und kühlere Luft wechseln sich ab, was auch die Gefahr von Schauern und Gewittern mit sich bringt“, so Krüger.
Jaja, das liebe Wetter. Immer wieder werden dieser Tage die Erinnerungen an die Heim-WM 2006 beschworen. Damals ging es aus einem nassen und eher durchschnittlich temperierten Frühjahr heraus direkt in einen ab Turnierbeginn schönen Juni und dann den heißesten Juli der Wettergeschichte. Bei einer Durchschnittstemperatur von fast 22 Grad wurden die Nächte durchgemacht. Dass die DFB-Elf am Ende (nur) auf Platz drei landete – geschenkt. Die ganze Welt feierte Deutschland für ein perfektes Turnier. Der Mythos vom Sommermärchen war geboren.
Und wie wird es diesmal? „Es ist schwierig bis unmöglich, für die gesamte EM Aussagen zu treffen“, sagt Krüger. Kein Wunder also, dass Turnierdirektor Philipp Lahm dieser Tage nicht mal heimlich auf die Wettervorhersage schaut. Er sagt: „Wenn ich rausgehen kann und mit allen anderen, die zu uns reisen, draußen feiern kann, macht es natürlich am meisten Spaß. Und da hilft nur Daumen drücken.“
SID