Berlin – Bundesminister Cem Özdemir hat vor zu hohen Erwartungen an den Sport gewarnt. Man dürfe vom Fußball und anderen Sportarten nicht erwarten, „dass sie Probleme lösen, die woanders gelöst werden müssen“, sagte der Grünen-Politiker im Interview mit den Zeitungen der Funke Mediengruppe.
Er könne Bundestrainer Julian Nagelsmann schließlich auch nicht helfen, wenn dieser in seiner Mannschaft einen Engpass habe. „Und umgekehrt war es zu viel von den Fußballern verlangt, Probleme bei einer Weltmeisterschaft in einem Staat zu lösen, der ein Menschenrechtsproblem hat“, sagte der Fan des VfB Stuttgart rückblickend auf die WM 2022 in Katar.
Allerdings finde der Fußball auch „nicht im luftleeren Raum statt“, so Özdemir: „Die Profis haben eine große Reichweite und von daher darf man als Gesellschaft schon erwarten, dass sie ihrer Verantwortung als Vorbilder gerecht werden.“ Dass der DFB-Kapitän Ilkay Gündogan ein Sohn türkischer Einwanderer ist, findet der Minister für Ernährung und Landwirtschaft gut. Dass man darüber rede, zeige aber, „dass wir noch nicht ganz die Normalität erreicht haben, zu der wir eigentlich hinmüssen. In dieser würde ein Spieler ausschließlich nach seiner Leistung beurteilt, und nicht in einem gewissen Kontext.“