Tikitaka ist nicht tot!

von Redaktion

Spaniens Europameister Marcos Senna über junge Hoffnungsträger der Selección

Aktuell Markenbotschafter des FC Villarreal: Marcos Senna.

Senna gewann mit Spanien EM- und WM-Titel. © imago

Marcos Senna weiß, wie man große Titel gewinnt. Der ehemalige Mittelfeldspieler war Teil der spanischen Mannschaft, die 2008 die EM gewann und den Grundstein für den WM-Triumph 2012 sowie den EM-Sieg 2012 legte. Er sorgte für das nötige Gleichgewicht in einem legendären Mittelfeld mit Xavi, Andrés Iniesta, David Silva und Cesc Fábregas. Es war bei der Geburtsstunde des Tikitaka dabei. Im Interview spricht der heutige Markenbotschafter des FC Villarreal über den heutigen Stil der Selección.

Herr Senna, kann Spanien etwas reißen?

Sicher. Spanien hat eine schwierige Phase hinter sich, es musste ein Generationenwechsel vollzogen werden, bei dem peu à peu sämtliche Legenden von 2010 ersetzt wurden. Das ist nicht einfach. Jetzt sehe ich aber eine gefestigtere Basis, junge Spieler wie Rodri, Pedri, Fabián, Nico Williams, Grimaldo oder Lamine Yamal sind auch in ihren Vereinen Leistungsträger. Man kommt an Spanien als Mitfavorit nicht herum.

Ist es kein Nachteil, dass die Mannschaft so jung ist?

Alle spielen für Vereine, bei denen sie in jedem Spiel auch international maximal gefordert werden. Dann gibt es gestandene Spieler wie Carvajal, Nacho, Navas oder Morata, die den Rest mit ihrer Erfahrung führen müssen.

Ist das legendäre Tikitaka Geschichte?

Glaube ich nicht. Mit den Spielertypen, die wir weiterhin haben, kann Spanien auch weiterhin so spielen . Das Tikitaka ist unserer DNA verwurzelt, vielleicht können wir heutzutage auch gar nicht mehr anders spielen. Sollte Spanien wieder erfolgreich, wird es auf dieser Basis geschehen.

Mit Nico Williams und Lamine Yamal wird nun auch auf mehr Geschwindigkeit auf den Außenbahnen gesetzt?

Sie geben unserem Spiel einen Hauch Variabilität. Das ist vor allem dann gut, wenn es hinten raus mal eng wird. Sie sind in der Lage, Unruhe zu schaffen, insbesondere Lamine. Was er mit 16 Jahren schon drauf hat, ist unglaublich.

Wo liegt der Schlüssel für eine gute EM?

In der Verteidigung. Wir müssen es schaffen, den Laden hinten dicht zu halten. Vorne verfügen wir über genügend Spieler, die den Unterschied ausmachen können. Es ist sehr schwer, unseren Mittelfeldspielern den Ball abzunehmen. Aber diese Art von Turnieren gewinnt die beste Abwehr.

Ihr EM-Favorit?

Alle haben Frankreich und Mbappé im Kopf. Man muss auch England auf dem Zettel haben, aber ich bin mir nicht so sicher, aber hier kommt es auf den Turnierverlauf an. Portugal hat auch großartige Spieler und in Roberto Martínez einen herausragenden Trainer. Da wären noch Kroatien und natürlich die Deutschen.

Auch dank Kroos?

Ich irre mich gewiss nicht, wenn ich behaupte, dass das der größte Name dieses Turniers ist. Und zwar nicht nur aufgrund seiner aktuellen Form, sondern inbesondere aufgrund seines Stellenwerts im aktuellen Fußball. Er hat eine Ära geprägt, er war wie ein guter Wein, der von Jahr zu Jahr noch kostbarer und besser geworden ist.

INTERVIEW: MARCO RUIZ

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