„Wenn sie dich gepackt haben, ist es schwer“

von Redaktion

Wie Stürmer Füllkrug das Innenverteidiger-Duo Rüdiger/Tah sieht: Am Mann Weltklasse

Sie haben zusammengefunden: Jonathan Tah (l.) und Antonio Rüdiger sind die Erstbesetzung im Abwehrzentrum. © IMAGO

München – Es war die Problemposition, Hansi Flick experimentierte in seiner Bundestrainer-Zeit auf ihr am wildesten: Was ist beste Besetzung der Innenverteidiger-Stellen, welche Mischung ist die passende? Auch Flicks Bundestrainer-Nachfolger Julian Nagelsmann war zunächst auf der Suche, hat sich allerdings im März festgelegt: Antonio Rüdiger und Jonathan Tah werden das EM-Abwehrzentrum bilden. Für beide lief die Saison in ihren Clubs perfekt: Rüdiger wurde mit Real Madrid spanischer Meister und Champions-League-Sieger, Tah holte mit Bayer Leverkusen das Double.

Wie schwer zu bespielen solche Verteidiger sind, fragt man am besten einen Stürmer. Niclas Füllkrug (Borussia Dortmund) nennt zwar auch seinen Vereinsfreund „Schlotti“ (Nico Schlotterbeck) als jederzeit passende Alternative, setzt aber gerne zur Eloge auf Rüdiger/Tah an: „Es gibt kaum einen Stürmer, den sie nicht verteidigen können. Sie sind dynamisch, robust, kopfballstark, haben ein hohes Grundtempo. Am Mann sind sie Weltklasse. Wenn sie dich einmal gepackt haben, ist es schwer, eine Gegenbewegung zu finden.“ Füllkrug findet, „dass sie sich ein Stück weit gefunden haben“. Und dass man sich nicht sorgen müsse, wenn es zu einem Ballverlust käme, „denn auch wenn es nicht perfekt läuft – die beiden können das wettmachen“.

Antonio Rüdiger war über die vergangenen Jahre der Innenverteidiger, der von den Bundestrainern am häufigsten eingesetzt wurde. Die Nebenleute wechselten. Niklas Süle, Mats Hummels, Malick Thiaw, Matthias Ginter, Armel Bella-Kotchap, Thilo Kehrer – sie alle schafften es nicht in den EM-Kader. Die Back-ups für Rüdiger und Tah sind Nico Schlotterbeck, der Stuttgarter Waldemar Anton und der Frankfurter Robin Koch.

Tah war vor knapp einem Jahr schon fast vergessen. Seine Wiederentdeckung wurde eingeleitet vom Spiel gegen Frankreich in Dortmund, dem Match nach der Entlassung von Hansi Flick. Hannes Wolf, DFB-Nachwuchschef und in dieser Partie Helfer von Rudi Völler, hatte Tah als Rechtsverteidiger durchgesetzt. „Ich hatte das schon ein paar Mal in Leverkusen gespielt, als Hannes Wolf da Trainer war – aber nicht so, dass ich daran gewöhnt gewesen wäre“, sagt Tah. Die Aufgabe gegen Frankreich empfand er als „sehr herausfordernd. Aber es war ein gutes Gefühl, auf einer fremden Position Leistung zu bringen und zu vermitteln, dass man sich auf mich verlassen kann.“

Nun führt an Jonathan Tah im Abwehrzentrum kein Weg vorbei. Wenn Leute fragen, warum er erst jetzt das Potenzial entfalte, das man ihm seit mindestens zehn Jahren nachsagt, antwortet er: „Es ist eine besondere Position, was das Alter betrifft. Ich kenne wenige Innenverteidiger, die ihren Peak mit 23 hatten – von mir wurde das aber erwartet.“ Der Job sei was für „Spieler Ende zwanzig – und da bewege ich mich gerade hin“.

Bei Antonio Rüdiger hat es auch gedauert, bis er zu einer Rolle fand; „Ich bin der emotionale Leader. Ich rede nicht, ich gehe voran.“

GÜNTER KLEIN

Artikel 1 von 11