DFB-Team? „Eine S-Klasse“

von Redaktion

Mustafi hofft auf Vollgas – und einen „tollen Sommer“

Erstes Turniertor 2016: Mustafi brachte das DFB-Team bei der EURO in Frankreich gegen die Ukraine in Führung. © imago

München – Shkodran Mustafi hat mit dem DFB-Team an drei Turnieren teilgenommen, einer WM, einer EM und dem Confed-Cup. Der Nordhesse hat dabei mit dem DFB-Team zwei Titel gewonnen und einmal das Halbfinale erreicht – es gibt schlechtere Bilanzen. Das verlorene EM-Halbfinale gegen Frankreich 2016 (0:2) ist dabei seine einzige Pflichtspielniederlage mit Deutschland. Im selben Jahr erzielte er im Auftaktspiel gegen die Ukraine das erste Turniertor. Der 32-Jährige weiß, worauf es ankommt – und hat sich als EM-Experte für Magenta mit dem deutschen Team beschäftigt.

Herr Mustafi, die EM ist das erste Turnier in Deutschland seit 2006. Wie haben Sie die Weltmeisterschaft damals erlebt?

Die WM 2006 ist das erste Turnier, an das ich mich noch so richtig erinnern kann. Klar, 2002 und 2004 habe ich ein bisschen mitbekommen. Aber 2006, das war eine besondere Atmosphäre. Public Viewing überall, da war Ausnahmezustand in Deutschland, auch in Bebra. Das war eine der schönsten Sportveranstaltungen, an die ich mich erinnern kann.

Wenn Sie das Gefühl von damals mit heute vergleichen: Wie groß ist der Unterschied?

Die Umstände sind heute ganz andere. Die Mannschaft hat zuletzt nicht überzeugt. Vor 2006 waren wir 2002 zumindest im Finale. Aber auch das Ganze, was außerhalb des Fußballs auf der Welt passiert, trübt die Stimmung natürlich. Dennoch glaube ich, dass sich die Menschen riesig freuen. Wenn wir das Ding gewinnen, wird es ein toller Sommer.

Wie schätzen Sie die deutsche Mannschaft ein?

Von der individuellen Qualität sind wir ganz vorn dabei. Aber wenn ich mir im Moment die großen Nationen, die individuell gut besetzt sind, anschaue, sehe ich, dass die Mechanismen noch nicht greifen. Es sind Muster und Mechanismen, die auf dem Spielfeld immer wieder auftauchen müssen. Für mich haben die großen Nationen alle noch nicht überzeugt. Und da haben kleinere einen Vorteil, was Wille, Team- und Kampfgeist angeht. Solche Tribute gewinnen Spiele.

Wen meinen Sie genau?

Beispielsweise Kroatien, die Schweiz oder Albanien. Es gibt viele kleinere Nationen, denen ich Überraschungen zutraue. Wobei die Schweiz mittlerweile ja auch individuell gut besetzt ist. Ich bin mir sicher, dass wir die eine oder andere Überraschung sehen werden. 2006 war das noch einfacher einzuschätzen. So eng wie dieses Jahr war es lange nicht mehr. Ich weiß zum Beispiel nicht, was ich von Italien erwarten kann. Die Mannschaft wird taktisch gut eingestellt sein, gut stehen – aber was kommt noch? Auch Spanien und Deutschland haben ihre Qualität im Vorfeld noch nicht so zeigen können.

Sie sind 32 Jahre alt. Wenn die Karriere anders gelaufen wäre, vielleicht würden Sie heute auch auf dem Rasen stehen.

Bis eben gerade habe ich nicht darüber nachgedacht. Im Sport und vor allem im Fußball gibt es viele Dinge, die deinen Weg beeinflussen. Wechsel, Verletzungen. Das muss man so annehmen. Negative Erlebnisse gehören dazu. Aber es gibt keinen Spieler, der heute nicht gern dabei wäre. Selbst Miro Klose würde seinen gerade erst begonnenen Job in Nürnberg dafür aufgeben.

Sie sind jetzt seit einem Jahr vereinslos, haben Ihre Karriere aber noch nicht beendet. Kehren Sie noch mal auf den Platz zurück?

Für mich waren es schwierige Jahre. Ich wollte meinen Urlaub vor der EM auch nutzen, um mir klar zu werden, was ich mache – und wie ich es mache. Was dabei herausgekommen ist, werde ich früh genug verkünden.

Der Job als TV-Experte scheint Ihnen aber Spaß zu machen.

Das Taktische liegt mir, deswegen mache ich das sehr gern. Für Amazon Fußball auf höchstem Niveau aus einem anderen Blickwinkel zu verfolgen, war spannend. Als Spieler kennt man nur die Perspektive auf dem Rasen. Von außen siehst du den Sport noch mal ganz anders.

Zum Abschluss: Sie haben ein Faible für Autos. Was für eins ist die deutsche Mannschaft?

Sie hat individuelle Qualität und einen sehr guten Trainer. Ich würde mich freuen, wenn sich das Team am Ende wie eine S-Klasse präsentiert. Mit ganz vielen Features. Aber hinten muss noch ein AMG drankommen. Damit es zügig nach vorn geht. Das wäre dann insgesamt ein ganz schönes Auto.

MAXIMILIAN BÜLAU

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