Goldene Mission

von Redaktion

Leonie Beck schon in Olympiaform – doch das Wasser der Seine macht Sorgen

Einsame Klasse: Leonie Beck holte sich in den Freiwasserwettbewerben der EM gleich zwei Titel. © Drobnjakovic/dpa

Belgrad – Leonie Beck strahlte über das ganze Gesicht und hielt den Daumen nach oben. Auch der graue, wolkenverhangene Himmel über Belgrad konnte die Laune der frisch gebackenen Doppel-Europameisterin nicht trüben. Nur einen Tag nach ihrem Triumph über zehn Kilometer sicherte sich die 27-Jährige auch über die halbe Distanz den Titel und schwamm sich damit auch weiter für die Olympia-Mission warm.

„Ich bin sehr glücklich über das zweite Gold hier“, sagte Beck, die am Donnerstag nach 58:25,3 Minuten über die nicht-olympische Distanz anschlug. Dabei steckte der Würzburgerin, die in Italien lebt und trainiert, noch der furiose Endspurt des Vortages auf der langen Strecke in den Knochen.

Nur eine Zehntelsekunde war Beck am Mittwoch über die zehn Kilometer vor der Italienerin Barbara Pozzobon ins Ziel gekommen, nachdem sie die Ideallinie zwischenzeitig verlassen hatte und ihre Konkurrentin noch einmal einholen musste. „Ich fühlte mich noch etwas müde nach dem gestrigen Tag, also habe ich einfach versucht, immer eine gute Position zu halten, damit ich diesmal nicht erst eine Aufholjagd starten muss“, erklärte Beck, die im Gegensatz zu Olympiasieger Florian Wellbrock nicht auf die EM-Teilnahme verzichtete.

Das gelang ihr. Mit 1,2 Sekunden Vorsprung verwies Beck die Italienerin Ginevra Taddeucci (58:26,5 Minuten) auf den zweiten Rang, die Bronzemedaille sicherte sich die Ungarin Bettina Fabian (58:28,7). In Abwesenheit der niederländischen Titelverteidigerin und Weltmeisterin Sharon van Rouwendaal tankte Beck somit weiter Selbstbewusstsein für die Olympischen Spiele in Paris.

Denn im Februar hatte es zu Beginn des Olympia-Jahres erst einmal einen Dämpfer gegeben. Beck, die im vergangenen Jahr mit ihrem Doppeltriumph bei der WM in Japan und ihrem Weltcupgesamtsieg das Freiwasserschwimmen bei den Frauen noch dominierte, musste sie sich im Februar in Katar der Konkurrenz geschlagen geben und verlor ihre beiden WM-Titel – vor allem die niedrigen Wassertemperaturen machten ihr zu schaffen.

Ein ganz ähnliches Problem könnte sie auch beim alles überstrahlenden Saisonhöhepunkt Olympia in der Seine erwarten. Dort werden die Bedingungen ganz andere sein als jetzt bei ihren Triumphzügen in Serbien. Der Savasee, die Belgrader Wettkampfstätte, bietet stolze 27 Grad. Doch Gedanken um die Wassertemperatur in Paris macht sie sich nicht. Schon eher beschäftigen die dreimalige Weltmeisterin die Meldungen über die offenkundig enorm schlechte Wasserqualität der Seine. Zuletzt musste deswegen in Paris erneut ein Testrennen abgesagt werden.

Beck hatte zuletzt schon den Finger gehoben und auf das Problem hingewiesen. „Es ist schwierig, wenn sie keinen Plan B haben, sondern zu 100 Prozent daran festhalten, in der Seine zu schwimmen, auch wenn die Wasserqualität so schlecht ist, dass man die Gesundheit der Athleten riskiert“, sagte sie. Stattdessen solle lieber „auf der Ruderregattastrecke oder in einem See“ geschwommen werden.

Aber letztendlich ist es auch egal, wo es um die Medaillen geht, Beck wird nach ihren beiden Europameister-Titeln jedenfalls mit Rückenwind nach Paris reisen.
SID

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