Die Eröffnung: Zehn Tänzer, neun Akrobaten, 24 Teilnehmer-Fahnen, ein 18 Meter großer Pokal, ein wenig Pyro. © Kneffel/dpa
Internationale Begegnungen: Janis Brakowski (2.v.l.) mit mexikanischer Freundin – und neuen Bekannten aus Schottland. © hlr
Bewegender Augenblick: Beckenbauer-Witwe Heid bringt den EM-Pokal auf den Platz und grüßt ihren Franz im Himmel.
München – Acht Kilogramm wiegt es, das Objekt der Begierde, und irgendwann war der Pokal Heidi Beckenbauer schlichtweg zu schwer. Die Witwe hatte mit 66 000 Fans in der Münchner Arena ihrem Kaiser gedacht, die Augen waren kurz feucht, ehe sie in Richtung Himmel lachte. Aber nach einer guten Minute musste sie die Trophäe bei dieser kurzen, aber sehenswerten und doch auch emotionalen Eröffnungsfeier gestern Abend vor dem EM-Eröffnungsspiel an ihren Nebenmann Bernhard Dietz weiterreichen. Der Europameister von 1980, neben Heidi Beckenbauer und 1996-Titelträger Jürgen Klinsmann in der Hauptrolle, zeigte sie einmal durch das weite Rund. Oh ja, sie sieht gut aus! Wäre schön, wenn sie in Deutschland bleibt!
Es passte zu diesem Abend, dass pünktlich zu der Stunde, in der sich die Fans auf den Weg machten, die Sonne über München raus kam. Kaiserwetter fürs Sommermärchen, da lacht einer von oben – und unten lachten sie auch. Es tat der guten Stimmung rund um das Auftaktmatch zwischen Deutschland und Schottland auch keinen Abbruch, dass sich die Arena zunächst schleppend füllte. Der Sicherheitscheck war gründlich und dauerte für alle, egal ob im Schottenrock oder Schwarz-Rot-Gold. Erst als „DJ Teddy O“ um 20.09 Uhr kurz einheizte, waren die Ränge fast voll besetzt. Das erste Mal richtig laut wurde es um 20.13 Uhr, als das DFB-Team den Rasen betrat. Lauter allerdings wurde es um 20.14 Uhr, als die Schotten kamen. Dass das Duell auf den Rängen wäre nicht leicht zu gewinnen sein würde, war spätestens ab diesem Moment klar. Und wurde noch klarer, als „Will Grigg‘s On Fire“ durch die Arena schallte. Man hörte gefühlt ganz Schottland in Fröttmaning.
Aber auch der Gastgeber war da, stimmgewaltig bei der Hymne, davor und danach. Viel Zeit zum Warmsingen gab es ohnehin nicht, denn die Eröffnung war kurz und knackig. Geschlagene 55 Minuten hatte sie beim Heim-Turnier 1988 gedauert, 30 waren es im Jahr 2006 – und gestern? Tatsächlich: zehn! Zehn Tänzer, neun Akrobaten, 24 Teilnehmer-Fahnen, ein Bühne im Mittelkreis, ein 18 Meter großer Pokal, ein wenig Pyrotechnik, der EM-Song „Simple Life“ (Leony) vom Band. Kein großes Tamtam, aber schöne bunte Bilder, die Vorfreude schürten. Auf die erste Partie – und einen Monat Fußball satt.
Die Kulisse zum Start war geprägt von all dem, was es dafür braucht: Fans in jeder Altersstufe, schwarz-rot-goldene Accessoires in jeglicher Ausführung, internationale Begegnungen – und einer deutschen Party, die sogar die Gute-Laune-Gäste aus Schottland zwischendurch verstummen ließ. Als wäre der Kuss, den Heidi gen Himmel geschickt hat, als das schwere Trumm endlich auf dem Sockel stand, angekommen – und die Antwort prompt erfolgt. Weiter so, Franz! HANNA RAIF