ZUM TAGE

Terzic musste nicht, er wollte gehen

von Redaktion

Dortmund-Beben

Jadon Sancho war zunächst der einzige Dortmunder (Ex-) Spieler, der sich öffentlich von seinem Trainer verabschiedete: „Danke, dass du mir vertraut hast“, schrieb der Engländer unter einem Bild, auf dem ihn Terzic nach der Niederlage im Finale der Champions League in den Arm nimmt. Und weiter: „Für immer dankbar. Ich wünsche dir viel Glück für dein nächstes Kapitel.“ Das wird es mit Sicherheit geben. Gerade in England genießt Terzic einen hervorragenden Ruf, man schätzt seine empathische Art. Der 41-Jährige wird beruflich nach seinem Abschied aus Dortmund weich fallen, finanziell bei einem Engagement auf der Insel womöglich sogar nach oben.

Zumal er seinen Club erhobenen Hauptes verlassen hat. Terzic musste nicht gehen, er wollte gehen. Um Platz zu machen für einen Neuanfang, den der BVB trotz des märchenhaften Europa-Abenteuers dringend nötig hat. Dafür gebührt ihm Respekt. Auf Terzic war aufgrund der schwierigen Bundesliga-Saison viel Kritik eingeprasselt – zum Teil berechtigt, die spielerische Weiterentwicklung der Mannschaft war ausgeblieben.

Dass ein Führungsspieler wie Mats Hummels intern diese sportlichen Probleme anspricht, ist legitim. Zumal Hummels selbst ja mit Leistung voranging, seine Auftritte in der Rückrunde waren mindestens EM-tauglich. Der 35-Jährige, der seine Worte mit Bedacht wählt und zweifelsohne einer der eloquentesten Spieler der Branche ist, wusste aber genau, welche Wirkung sein Interview drei Tage vor dem Champions-League-Endspiel erzielt. Die heftige Kritik am Trainer zu diesem Zeitpunkt war ein Unding. Ganz egal, ob es Hummels dabei um sich selbst oder das Wohlergehen des Vereins ging. Dass der langjährige Borusse nun kein Teil des Neuanfangs sein wird, ist konsequent. Bei Mitspielern und Fans hat er mit seinem Ego-Trip viel Kredit verspielt. Der Abgang des langjährigen Leistungsträgers durch die Hintertür ist unglücklich.

Immerhin: Nuri Sahin wird seinen Trainerjob ohne Altlasten antreten können. Seine Beförderung ist naheliegend, aber nicht ohne Risiko. Dem Lüdenscheider fehlt es auf diesem Niveau noch an Erfahrung in der Chef-Rolle. Was den Verantwortlichen Mut machen wird: Mit Sahins Einstieg als Co-Trainer im vergangenen Winter wurde das Dortmunder Spiel wieder ansehnlicher.

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