Traumstart ins Sommermärchen

von Redaktion

Deutschland schlägt Schottland beim EM-Start furios mit 5:1

Er schreit die Anspannung weg und sein Glück hinaus: Bundestrainer Julian Nagelsmann. © AFP/ODD ANDERSEN

Zauberer und Torschützen: Jamal Musiala und Florian Wirtz brachten den DFB früh auf die Siegerstraße. © Eibner

München – Am abendlichen Himmel hingen dunkle Wolken, keine typische Mitte-Juni-Wetterlage. Doch in den Herzen derer, die am Freitagabend in die Münchner Arena gekommen waren, und der Kundschaft auf den Public-Viewing-Meilen und an den Fernsehgeräten ging die Sonne auf. Die deutsche Nationalmannschaft eröffnete die Heim-Europameisterschaft gegen Schottland mit einem Traumergebnis, das ihr bei den vergangenen drei Turnieren verwehrt geblieben war. Sie gewann 5:1 (3:0) – und es war Sommer.

Mit einem Schnitt von 28,7 Jahren stand die betagteste deutsche EM-Startelf seit 24 Jahren auf dem Platz, doch sie spielte taufrisch, die guten Aktionen entstanden aus dem Zusammenspiel der Generationen. Schon in der Anfangsminute, als Rüdiger (Abteilung Routine) Wirtz (Turnierneuling) losschickte, scheiterte dieser zwar an Torwart Gunn und befand sich auch im Abseits – doch die Tonlage des Spiels war gesetzt. Die deutsche Elf baute Dominanz auf und erspielte sich in der 10. Minute den 2006-Philipp-Lahm-Gedächtnismoment. Nach Vorarbeit von Toni Kroos und Joshua Kimmich, den älteren Semestern, traf Wirtz aus 17 Metern und mit einer Schussgeschwindigkeit von 108 km/h, wie die UEFA ermittelte, zum 1:0. Schottlands Torwart Gunn hatte noch die Hand am Ball, sie lenkte ihn an den Innenpfosten, von dort ging die Kugel ins Netz.

Neun Minuten später war die Partie im Grunde schon entschieden, denn Deutschland legte das 2:0 nach. Wieder aus einer überlegten Kombination heraus, der Schottland nichts entgegenzusetzen vermochte. Kapitän Ilkay Gündogan (alt) war der Ausgangspunkt, Kai Havertz (Mittelalter) die Zwischenstation, Jamal Musiala, der neben Wirtz zweite 21-Jährige in Julian Nagelsmanns Team, der Vollender. Er wuchtete den Ball unhaltbar unters Tordach – 2:0.

Die netten Schotten, bei denen die nominelle Dreier- zur Fünferkette wurde, waren heillos überfordert, die vor Spielbeginn per Videoscreen übermittelte Motivationsansprache des Fußball-Nationalheiligen Sir Alex Ferguson (Ex-Trainer von Manchester United) verstanden sie wohl so wenig wie die des Ferguson-Spezialslangs nicht mächtigen deutschen Zuschauer. Die Gäste kamen in der 24. Minute noch um einen Strafstoß gegen sich herum, weil ein unstrittiges Foul an Musiala durch den Video-Schiedsrichter als gerade noch außerhalb des Sechzehners bewertet wurde. Aber als kurz vor der Pause Porteóus Ilkay Gündogan umhaute, riet der VAR zum Elfmeter. Havertz verwandelte ihn zum 3:0, und wegen der Roten Karte für Porteous waren die Schotten auch noch einer weniger.

In die zweite Hälfte ging es mit Groß für den Gelb-belasteten Andrich – und dem Vorsatz, die Spielfreude zu wahren. Vor allem die Jung-Twens Wirtz (bis zu seinem Tausch gegen Sané) und Musiala wollten das Lächeln aus ihren Gesichtern nicht verschwinden lassen, sie zockten weiter. Das Publikum wollte unterhalten werden – und bekam seine Show. „Toni, Toni“, verlangten die Fans bei allen Standardsituationen nach Toni Kroos, und freudig aufgenommen wurde das Mitwirken des Volkstribuns Niclas Füllkrug. Sein 110 km/h-Knaller war ein Stresstest für die Maschen des Tornetzes.

Lokalmatador Thomas Müller wurde von den Rängen heftig gefordert und bekam ebenfalls seinen Einsatz. Und die Schotten hatten mit dem Ehrentreffer (Eigentor Rüdiger) ihre Freude. Die Schlusspointe: 5:1 durch Nachrücker Can. GÜNTER KLEIN

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