Der Moment der Erlösung: Vladimir Lucic und Andi Obst stemmen den Meisterpokal der BBL. © Gora / dpa
Berlin – Es war 20.25 Uhr als Vladimir Lucic der meisterlosen Leidenszeit des Basketballer des FC Bayern ein Ende setzte. Gemeinsam mit Andi Obst wuchtete der Kapitän die BBL-Trophäe in Richtung Berliner Hallendach. Die Münchner sind nach dem 88:82 im vierten Finalspiel bei Alba Berlin nun Doublesieger und damit nun auch offiziell wieder der Mittelpunkt des Basketballlands.
Und es war eine schöne Analogie., dass die Bayern genau dort auf den Thron zurückkehrten, wo sie ihn exakt zehn Jahre zuvor auch zum ersten Mal in ihrer Projekt-Neuzeit bestiegen hatten. Nicht umsonst hatten die Bayern das erste Erfolgserlebnis auch mit in ihr aktuelles Playoff-Motto (“We still have a team“) aufgenommen.
Einer der wenigen, die damals schon dabei waren, war der Chef selbst. Marko Pesic, Bayerns Basketball-Chef war mit den Gedanken allerdings bei einer ganz anderen Zeit. „Ich widme den Titel der Mannschaft von 2020/21“, sagte er merklich bewegt. Seinerzeit waren die Bayern ja bis hart ans Euroleague-Final-4 herangestürmt. In den Playoffs wurde dann bei Paul Zipser ein Tumor im Gehirn entdeckt. In der Folge kam die Mannschaft in vielerlei Hinsicht aus dem Tritt.
Und nun ist mal also endlich doch ganz oben. Bei Pesic hinterließ es Wirkung: „Ich bin total leer.“ Wobei der letzte Akt so ausgefallen war, wie ein letzter Akt zwischen dem FC Bayern und Alba Berlin wohl ausfallen muss. Dieses Spiel musste giftig werden. Und es wurde giftig. Von Beginn an war es ein Duell mit Haken und Ösen. Im Mittelpiunkt, erwartbar: Natürlich die Unparteiischen. So gesehen ganz guts, dass die BBL in Robert Lottermoser und Anne Panther ihre renommiertesten Kräfte abgestellt hatte.
So viel Weitsicht hatte die Liga des Weltmeisters in diesen Wochen nicht immer bewiesen. So bekam man nun auch die programmierte Quittung für die desaströse Ansetzung der Partie am Auftakttag der Fußball-Europameisterschaft. Berlin drängte in die Fanzonen. In die Halle am Ostbahnhof fanden 9668 „Zuschauende“, wie die offizielle Alba Terminologie besagt. Den Oberrang der 14 500-Leute Arena ließ man gleich komplett abgehängt.
Immerhin: Die Protagonisten ließen sich nicht stören. Die eine zweite Halbzeit zum Zungeschnalzen lieferten. Erst die Bayern, die nach der Pause eine Defensive lieferten wie sonst nur in Europa. Dazu hatten sie in Carsen Edwards einen bemerkenswert treffsicheren Werfer. Vier seiner sieben Dreier (insgesamt 27 Punkte) versenkte er alleine im dritten Viertel. Heraus sprang ein 21:6. Kein Zufall, dass Edwards auch zum Final-MVP gekürt wurde. Eine Ehre, die er geradewegs an die Kollegen weitergab: „Ich liebe diese Jungs.“
Und trotzdem wäre die Sache fast noch schief gegangen. Bayern-Trainer Pablo Laso ahnte es schon, wie er schwer biergeduscht erklärte: „Ich habe zu meinem Co-Trainer gesagt: Wir werden für diesen Sieg npch leiden müssen.“ Und das mussten Sie. Alba Kämpfte, mal wieder und schob sich in der Schlussminute von zwischenzeitlich 18 bis auf zwei Punkte an die Münchner ran. Doch die Bayern behielten die Nerven und machten an der Freiwurflinie den Titel klar.
Der Rest war Jubel im goldenen Konfettiregen, begleitet von leisen Pfiffen der Berliner Fangemeinde. Damit konnten die Bayern an diesem Abend gut leben. PATRICK REICHELT