Edel-Joker wider Willen

von Redaktion

Weghorsts Wucht weist der Niederlande den Weg – auch wenn ihm die Rolle nicht schmeckt

So sieht Genugtuung aus: Weghorst kam, sah und traf zum niederländischen Sieg gegen Polen. © IMAGO/Peter Lous

Hamburg – Aus den Boxen schepperte der Schlager „Viva Hollandia“ – und kündigte die nächste große EM-Party in Oranje an. Die Zeit ist endlich gekommen, heißt es darin, die Zeit für „een groot feest.“ Wout Weghorst, beim ersten niederländischen Triumph in Deutschland noch gar nicht auf der Welt, genoss die kleine Feier in der Kabine in vollen Zügen, immerhin war es der Super-Joker aus der Bundesliga, der die Hoffnungen der Elftal auf den zweiten Titel nach 1988 am Leben erhalten hatte.

Den 2:1-Sieg über Polen im Auftaktspiel in Hamburg verdankten sie ihm, das wussten die Stars des Mitfavoriten. Die Edeltechniker Memphis Depay und Xavi Simons hatten Großchancen vergeben, Weghorst zeigte mit seinem ersten Ballkontakt, was die Niederlande bei aller spielerischer Klasse für ihr ganz großes Ziel brauchen: Wucht und Nervenstärke vor dem gegnerischen Tor.

Die bringt Weghorst mit, dafür hat ihn Bondscoach Ronald Koeman unter die zahlreichen Zauberkünstler seines Kaders gemischt. „Er hat mir klar und deutlich gesagt, welche Rolle ich habe, dann musst du bereit sein für dein Team“, sagte Weghorst. Ganz einverstanden war der Hoffenheimer Stoßstürmer mit dieser Rolle jedoch nicht, wie Koeman nach dem wichtigen Sieg verriet.

„Er war verärgert, aber das ist eine gute Reaktion“, sagte der Europameister von 1988. Weghorst sei ein starker Charakter, ihn zeichne seine „Mentalität“ aus. „Die letzte Entscheidung liegt aber beim Trainer“, sagte Koeman – und es klang nicht so, als dürfte sich Weghorst große Chancen auf einen Startelfeinsatz am Freitag im Topspiel der Gruppe D gegen Vize-Weltmeister Frankreich ausrechnen.

Der Sonntag im Volksparkstadion gehörte jedoch dem 31-Jährigen, der vier Jahre in Wolfsburg verbracht hatte, ehe er nach Burnley wechselte und mittlerweile auf Tingeltour durch Europa ist. Weghorst spielte in den letzten zwei Jahren für Besiktas Istanbul, Manchester United und die TSG Hoffenheim, für die er in 28 Spielen in der abgelaufenen Saison sieben Tore erzielte.

Wohin es ihn als nächstes zieht? Das spielte an diesem Abend keine Rolle. Weghorst jubelte mit ausgebreiteten Armen vor den Tausenden Fans in Oranje, seine Mitspieler feierten ihn für die Erlösung. „Er ist unheimlich wichtig für die Mannschaft. Obwohl er von der Bank kommt, ist er immer positiv. Ein toller Typ“, sagte Georginio Wijnaldum. Einer, den es in der Elftal so nur einmal gibt. Schon bei der WM in Katar unter Louis van Gaal war Weghorst Joker, im Viertelfinale gegen den späteren Weltmeister Argentinien traf er zweimal. Diesmal soll es weitergehen. Denn schließlich sind die Niederlande zurück in Deutschland – „en dat is prima. Viva Hollandia“.

Viva Wout Weghorst.
SID

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