Am Tag nach dem deutschen EM-Auftaktsieg durften die Familien ins Mannschaftsquartier in Herzogenaurach. Und der wichtigste Dienstleister aus Spielersicht: der Friseur.
Emre Can vertraute sich dem Coiffeur an – und wollte, als er tags darauf in der Pressekonferenz um einen Kommentar gebeten wurde, mal etwas Grundsätzliches loswerden. Nämlich: „Ich verstehe die Diskussion überhaupt nicht.“ Das Thema Fußballer und ihre Friseure werde unzulässig skandalisiert.
Ganz unrecht hat er nicht. Schon öfter wurden öffentliche Aufschreie vernommen, wenn Haarbehandlungen im Rahmen eines Turniers oder im Ligenbetrieb dokumentiert wurden (was Friseure bei Instagram gerne tun, um zu zeigen, was für prominente Kunden sie haben), aber Emre Can sagt: „Man verliert die Motivation nicht, wenn man am Tag zuvor geht.“
Die Sache ist aus seiner Sicht nämlich die: Nicht nur der Fußball hat sich entwickelt, sondern auch die Fußballerfrisur. Es ist Teil des gesamtheitlichen Konzepts, dass der Fußballer beste Leistung bringt, wenn er sich frisch fühlt – das gelingt mit einer Ausrichtung seines Haupthaars, mit der der Spieler einverstanden sein kann. Vor allem muss dies regelmäßig geschehen. Und regelmäßig heißt auch häufig. Noch einmal Emre Can: „Bei den heutigen Haarschnitten muss man fast jede Woche zum Friseur gehen.“
Er hat uns nun sensibilisiert für den Fußballer-Cut. Und ja, der ist so akkurat wie die kalibrierte Abseitslinie. Selbst der vom Grundwesen her unflippige Toni Kroos hat einen eigenen Style auf seinem Kopf entwickeln lassen; beim öffentlichen DFB-Training war ein Vater mit zwei Jungen zu sehen – alle trugen sie ein Kroos-Trikot und den markanten Toni-Schnitt. Klar, da darf nichts auswuchern, da muss die seitliche Grundfläche stets raspelkurz gehalten werden. Oder Englands Star Jude Bellingham: Bei ihm ist der Schopf an der Stirn mit dem Lineal gezogen, da lohnt sich der eigene Figaro in Festanstellung.
Klingt hämisch. Vielleicht ist der Autor dieser Kolumne auch ein klein wenig neidisch, weil er schon zwei Wochen über seinen Drei-Monats-Turnus hinaus ist und zuwuchert. Lieber DFB, könntest Du den Scherenguru mal rüber ins Medienzentrum schicken?