„Dieser Sieg bedeutet uns alles“: Die rumänischen Nationalspieler feierten nach dem 3:0 über die Ukraine mit den Fans. © dpa
München – Rumäniens Trainer Eduard Iordanescu sieht nach dem 3:0 (1:0) zum EM-Auftakt gegen die Ukraine bei seinem Team „keine Grenzen. Diese Generation hat Seele und ein großes Herz. So etwas gab es noch nie“, sagte ein emotionaler Iordanescu nach einem „großartigen Tag für Rumänien und einem historischen Erfolg. Dieser Sieg bedeutet uns alles.“
Doch bei aller Euphorie dachte Rumäniens Coach schnell auch an das zweite Gruppenspiel am Samstag in Köln gegen Belgien. Es sei seine Aufgabe, „dass wir auf dem Boden bleiben. Wir müssen auf diesem Weg konzentriert weitermachen. Das Spiel wird sehr schwierig gegen ein Team, das den Titel gewinnen will. Wir machen einen Schritt nach dem anderen“, betonte Iordanescu und ergänzte: „Wir werden jetzt nicht feiern.“
Dabei bewertete der 46-Jährige den erst zweiten EM-Sieg Rumäniens als „unglaublich, als sensationell. Solche Gefühle habe ich noch nie gespürt“, so Iordanescu: „Falls irgendjemand Zweifel gehabt hat: Es ist eine großartige Mannschaft. Ich hoffe, dass wir weitere Erfolge feiern können.“
Im Mittelpunkt bei Rumänien stand Kapitän Nicolae Stanciu, der sein Team mit einem sehenswerten Tor auf die Siegerstraße gebracht hatte. Auch der Mittelfeldspieler, der in Saudi-Arabien sein Geld verdient, konnte sein Glück kaum fassen. Es sei „das Tor“ seiner Karriere gewesen. „Dieses Trikot bedeutet mir alles. Dann auf diese Art und Weise zu gewinnen, ist unglaublich. Wir sind wie eine Familie. Das ist unsere Kraft, unsere Stärke“, sagte er.
Allerdings nutzte er den Erfolg auch zu einer Ansage an die Journalisten: „Bitte kritisieren sie uns, aber beleidigen sie uns nicht. So etwas möchten sie nicht über sich lesen.“
Nach der deutlichen Auftaktniederlage wissen die Ukrainer indes, dass der Einzug ins Achtelfinale zu einer Mammutaufgabe geworden ist. „Jetzt müssen wir nur noch gewinnen, um aus der Gruppe zu kommen“, sagte Olexander Sintschenko am Montagabend. Der Arsenal-Profi und seine Teamkollegen waren den Rumänen deutlich mit 0:3 unterlegen.
Durch den überraschenden 1:0-Erfolg der Slowakei gegen Favorit Belgien verkomplizierte sich die Lage weiter: Am Freitag geht es just gegen die Slowaken, fünf Tage danach folgt das Duell gegen die Belgier. Vor Turnierbeginn hatten Experten gerade die Rumänen als schwächsten Gegner identifiziert, auch die Slowakei schien nicht überlegen. Nach dem ersten Spieltag führen just jene beiden Teams das Klassement der Gruppe E an.
Nach solchen Spielen sei es schwer, neuen Mut zu finden, räumte Ukraines Torhüter Andrij Lunin ein. Der Ersatzkeeper von Real Madrid hatte mit Patzern vor zwei Gegentoren entscheidenden Anteil an der Niederlage und bat die Fans im Anschluss um Entschuldigung. Hadern bringt aber nichts, das weiß der Schlussmann. „Wir haben keine Wahl und keine Zeit. Wir müssen uns erholen, umschalten und weitermachen“, sagte Lunin.
So sieht das auch Trainer Serhij Rebrow. „Sie müssen sich jetzt aufraffen“, sagte er in Richtung seiner Schützlinge. Und fügte an: „Ich bin mir sicher, dass wir im nächsten Spiel eine andere Einstellung haben werden.“