Buhmann auf Schienen

von Redaktion

Es läuft mies: Philipp Lahm, DB-Chef Richard Lutz und Bundesverkehrsminister Volker Wissing (FDP). © Carstensen/dpa

Berlin/München – Philipp Lahm grinste für den Schnappschuss in die Kamera, im Hintergrund rauschte am Fenster die Landschaft vorbei. Der EM-Orga-Chef war am zweiten Turnier-Wochenende wieder einmal im Zug unterwegs. Dabei war er nur zwei Tage zuvor wegen Bahn-Problemen deutlich verspätet für die Partie Ukraine – Slowakei in Düsseldorf eingetroffen. Einen kleinen Seitenhieb mit Zwinkersmiley konnte sich der Ex-Profi auf der Plattform X deshalb nun nicht verkneifen: „PS: @db_bahn wie ihr seht, ich bleibe treuer Bahn-Kunde.“

Eine derartige Lahm’sche Nachsicht wurde in der ersten EM-Woche in Deutschland von etlichen Bahn-Reisenden verlangt. Denn während das Kontinentalturnier insgesamt sehr reibungslos, friedfertig, sportlich interessant und von einer ansteckenden Fan-Euphorie geprägt ist, sorgte die Bahn für Ärger. Die Deutschen sind diesbezüglich Kummer gewohnt, manch ausländischer Gast aber zeigte sich verblüfft bis fassungslos von den Zug-Pannen der jahrzehntelang als Organisations- und Gründlichkeits-Weltmeister gefeierten Deutschen.

„Entsetzliche Szenen“ am Bahnsteig

Zur angeblichen deutschen Effizienz schrieb ein Reporter der renommierten „New York Times“ schon nach den ersten EM-Tagen als Hinweis an die Leser: „Vergessen Sie alles, was Sie meinten zu wissen“. In dem Artikel wurde dann vor allem von verstopften U-Bahnen in München vor dem Eröffnungsspiel und stundenlangem Warten auf Gelsenkirchener Bahnsteigen referiert. Negativ aufgefallen seien zudem die Organisation der Fußwege an den Stadien und die deshalb langen Schlangen beim Einlass.

Empörung bei Schotten und Thomas Hitzslperger

Auch Fangruppen klagten, darunter etwa eine Vereinigung von schottischen Anhängern (Atac). Deutschland habe sie als Gastgeber zwar herzlich willkommen geheißen, schrieb Atac in einem Facebook-Eintrag. Mit dem öffentlichen Verkehr aber habe man „schlechte Erfahrungen“ gemacht. Die Züge in München und Köln seien „unzuverlässig und glühend heiß“ gewesen und darüber hinaus über jede Art von Limit mit Fahrgästen vollstopft worden.

Der ehemalige deutsche Nationalspieler, Funktionär und TV-Experte Thomas Hitzlsperger brachte – als auch er in einem Zug festsaß – seinen englischsprachigen Followern bei X ein neues Wort bei. „Armutszeugnis“, schrieb er jüngst in Versalien.

Der Deutschen Bahn bleibt da kaum etwas anderes übrig, als um Verzeihung zu bitten. „Es tut uns leid, dass es Philipp Lahm nicht rechtzeitig zum Spiel geschafft hat. Immerhin die zweite Halbzeit konnte er im Stadion schauen. Entschuldigung, lieber Philipp Lahm!“, sagte ein Bahn-Sprecher auf Anfrage.
DPA

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