Philipp Lahm hofft auf den Titel. © IMAGO
Frankfurt – Julian Nagelsmanns Plan ist aufgegangen. Durch das 1:1 (0:1) gegen die Schweiz steht die DFB-Elf zwar weiterhin im Achtelfinale, einen kleinen Stimmungsdämpfer gab es aber doch. Nach seiner zweiten gelben Karte ist Jonathan Tah für die Partie am Samstag gesperrt. Am Ende überwog aber die Freude: „Erst mal sind wir glücklich, dass wir es geschafft haben. Wir haben es zum wiederholten Male gezeigt, dass wir mit einem Rückstand umgehen können, dass wir an uns glauben bis zum Ende. Das hilft der Mannschaft.“ Und weiter: „Ich hatte das Gefühl, wir waren wirklich 90 Minuten auf dem Gaspedal – und haben uns belohnt am Ende.“ Kapitän Ilkay Gündogan warnte: „Es hat der Moral gutgetan, aber es wird nicht leichter. Wir müssen gewappnet sein im Achtelfinale.“
Vor dem Spiel gegen die Schweiz gab es zur Aufstellung, in der mit Tah, Antonio Rüdiger, Maximilian Mittelstädt und Robert Andrich gleich vier gelb vorbelastete Spieler standen, geteilte Meinungen. Ex-Nationalspieler Bastian Schweinsteiger bezeichnete es als „gute Entscheidung“, die gleiche Anfangsformation auch im vergleichsweise weniger wichtigen Spiel gegen die Schweiz aufzustellen. Das Risiko, bei einer möglichen zweiten Verwarnung im Achtelfinale auf einen Stammspieler verzichten zu müssen, wäre er aber nicht eingegangen. „Man kann heutzutage so schnell Gelb kriegen. Ich hätte lieber alle Spieler in den K.o-Spielen, also hätte vielleicht etwas ausgetauscht.“ Julian Nagelsmann erklärte die Maßnahme so: „Wir haben mit der ersten Elf noch nicht unzählig viele Spiele in den Knochen, sondern müssen weiter Stabilität und Rhythmus gewinnen. Das geht nur, wenn wir mit einem festen Stamm spielen.“ Seit 2002 ist keine deutsche Mannschaft bei einem Turnier dreimal hintereinander mit derselben Mannschaft gestartet.
Und so versuchte Nagelsmann mit dem gleichen Personal wie schon in den Spielen gegen Schottland (5:1) und Ungarn (2:0) zum Erfolg zu kommen. Dabei setzte er wie gewohnt auf Abräumer Andrich, der den Angreifern vor sich den Rücken frei hielt. „Da hast du einen Anker dort, der defensiv immer da ist“, erklärte der Ex-Nationalspieler Thomas Hitzelsperger. „Dadurch kann Ilkay Gündogan weiter nach vorne und hat mehr Freiheiten.“
Dieser Plan ging jedoch nicht ganz auf. Immerhin: Die DFB-Elf beendete die Gruppenphase als Erster, verpasste es nicht, die Gruppenphase erfolgreich zu beenden und bestätigte auch die Experten: „Wir zählen zu den Mitfavoriten“, sagte Philipp Lahm vor Anpfiff über die deutsche Elf. Noch euphorischer zeigte sich Oliver Bierhoff. Der Nationalmannschaft sei „alles zuzutrauen“, so der Europameister von 1996. „Man hat ab März gemerkt, dass eine besondere Energie in der Mannschaft gewachsen ist.“ Sein abschließendes Fazit: „Es gibt keine Übermannschaft – deswegen ist alles drin!“ VINZENT TSCHIRPKE