Füllkrug rettet den Gruppensieg

von Redaktion

1:1: DFB-Elf besteht gegen die Schweiz den Charaktertest – Achtelfinal-Gegner ist offen

Hoch und rein das Ding: Niclas Füllkrug (3.vl) erzielt per Kopf das Tor zum 1:1 gegen die Schweiz. © Gambarini/dpa

Es hat noch geklappt: Das DFB-Team ist nach dem späten Remis Gruppensieger. © Dedert/dpa

Frankfurt – Zunächst die amtlichen Mitteilungen: Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft hat bei der EM ihre Vorrundengruppe A durch ein 1:1 (0:1) gegen die Schweiz als Erster abgeschlossen, nun wartet sie auf ihren Gegner fürs Achtelfinale am kommenden Samstag (21 Uhr) in Dortmund. In welcher Stimmungslage wird das Team von Bundestrainer Julian Nagelsmann in die K.o.-Runde gegen den Zweiten der Gruppe (England, Dänemark, Slowenien, Serbien sind möglich) gehen? In etwas gedämpfter. Im dritten EM-Match traten alte Defizite aus der zähen Vorbereitung zum Vorschein. Favoriten-like war das nicht.

Vom Anpfiff weg wurde den Deutschen klar, dass sie es hier mit ihrem bislang widerstandsfähigsten Gegner zu tun hatten. Die Schweizer liefen hoch an, da blieb als Stilmittel des Aufbaus meist nur der lange Ball. Es gab gute Momente wie den von Jamal Musiala, der sich einmal lösen konnte und vorne in der Spitze Ilkay Gündogan fand (2.), dem der Ball aber versprang. Es fiel gleich auf, dass Ballkontrolle ein Thema sein würde, da machte sich die mangelnde Qualität des Frankfurter Rasens, viel diskutiert bei diesem Turnier, bemerkbar. Am Sonntag war das Dach der Arena geschlossen worden, sodass man Hallenfußball spielte – gelöst wurde das Platzproblem dadurch nicht.

Obwohl sie schwer hineinfanden in die Partie, schien den Deutschen die Führung zuzufallen. In der 17. Minute konnte Robert Andrich sein Glück gar nicht fassen, dass sein banaler 20-Meter-Aufsetzer den Schweizer Torhüter Yann Sommer indisponiert erwischte. Das Gegenteil von Sommer-Märchen. Doch schon vor Andrichs Abschluss waren die Arme der eidgenössischen Abwehrspieler reklamierend nach oben geschnellt, denn Musiala war im Sechzehnmeterraum Aebischer unabsichtlich, aber so ungestüm in die Parade gefahren, dass man das als Foul interpretieren musste. So geschah es nach Meldung des Video-Assistenten, die 1 auf der Anzeige sprang auf 0 zurück.

Und dann leuchtete die 1 wieder – aber für die Schweiz. Ihre erste gefährliche Aktion ging über die linke Seite, Freuler flankte, in der Mitte kam Dan Ndoye vom FC Bologna vor Jonathan Tah an den Ball, und der schlug schön unterm Dach ein (28. Minute). Roch zwar nach Abseits, doch nach VAR-Überprüfung leuchtete auf dem Videowürfel ein „Online“ – das Gegenteil von Offline. Für Tah war es keine gute Halbzeit, denn wenig später tat er sich bei einem wilden Luft-Duell mit Embolo weh und kassierte auch die zweite Gelbe Karte, deren Bedrohung er tags zuvor nicht wahrhaben wollte. „Ich werde mein Zweikampfverhalten nicht ändern“, hatte er gesagt. Nun ist er fürs Achtelfinale gesperrt.

Erster Rückstand, erster Charaktertest. Das Drehbuch der zweiten Hälfte schrieb sich von selbst. Die deutsche Elf forcierte die Offensivbemühungen, nahm auch Gelegenheiten zum Weitschuss war, die Schweiz verschob ihre Abwehrketten und wartete auf Kontermöglichkeiten. Die Chancen: Wirtz mit raumöffnendem Pass auf Musiala, Schuss – Yann Sommers Fäuste (50.), Kroos wuchtig aus der zweiten Reihe – daneben (55.). Julian Nagelsmann brachte mit Maxi Beier eine neue Offensivvariante, legte dann noch Sané und Füllkrug nach. Diese Haltung wurde letztlich belohnt. David Raum, als Linksverteidiger ins Spiel gekommen, flankte hoch, Joker Füllkrug war mit dem Kopf zur Stelle. Und unterm Frankfurter Hallendach war der Sommer doch wieder spürbar nach zwischenzeitlicher Eintrübung der EM-Wetterlage, GÜNTER KLEIN

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