Gruppensieg – gutes oder schlechtes Omen?

von Redaktion

Was eine starke Vorrunde in der Turnierhistorie für die Titelchance bedeutet

Champions: Maier, Müller & Co. © IMAGO

EM 1980: Der DFB wird Gruppenerster, Horst Hrubesch köpft das Team zum Titel. © IMAGO

1972: Alles noch ein wenig einfacher. In der Gruppe ist der DFB nur zweiter, am Ende aber doch ganz oben. © IMAGO

Frankfurt/Main – Julian Nagelsmann wollte am Sonntagabend gegen die Schweiz den Gruppensieg klarmachen (nach Redaktionsschluss dieser Ausgabe). Auch DFB-Verteidiger Jonathan wollte den Namen Deutschland „ganz oben sehen“. Als Tabellenerster steigt das Selbstvertrauen vor der K.-o.-Runde. Doch steigen damit auch die deutschen EM-Titelchancen? Die Historie belegt: Ein Gruppensieg garantiert natürlich keinen Titel. Die letzten vier Turniersiege begannen aber mit Platz eins nach drei Spielen.

WM 1954

Der große Bluff. Bundestrainer Sepp Herberger schickt gegen Ungarn im Gruppenspiel die B-Elf ran. Nimmt ein 3:8 hin und riskiert ein Ausscheidungsspiel um den Einzug in die K.-o.-Runde. Es ist quasi der erste Akt des Wunders von Bern. Im Finale triumphieren Fritz Walter und Co. – vielleicht auch dank des Psycho-Kniffs von Herberger.

EM 1972

Noch gibt es keine EM im Gruppenmodus. Der legendäre erste Sieg in Wembley (3:1) gegen die Engländer führt direkt zur Halbfinal-Teilnahme. Bei der Vierer-Endrunde holt Deutschland gegen Gastgeber Belgien und die Sowjetunion den ersten EM-Titel.

WM 1974

Genau 50 Jahre ist es her. Die DDR schockt den Gastgeber Bundesrepublik in Hamburg. Jürgen Sparwassers Siegtor zum 1:0 ist Teil der deutschen Fußball-Geschichte. Die Ironie: Franz Beckenbauer und seine Kollegen bekommen als Gruppenzweite in der Zwischenrunde den vermeintlich einfacheren Weg zum Finale und zum zweiten WM-Titel.

EM 1980

Diesmal ist der Gruppensieg eine Bedingung für die Titel. Nur der Erstplatzierte kommt ins Finale. Das hat die Auswahl von Bundestrainer nach zwei Siegen schon vor dem Anpfiff des letzten Gruppenspiels gegen Griechenland (0:0) sicher. Im Endspiel schlägt die Stunde von Doppeltorschütze Horst Hrubesch gegen Belgien.

WM 1990

Das Musterbeispiel für einen perfekten Turnierverlauf. Deutschland wird in Italien Gruppensieger, darf am Spielort Mailand bleiben und schlägt dort in der ersten K.-o.-Runde in einem Fußball-Drama die Niederlande. Die Krönung folgt in der magischen Nacht in Rom gegen Diego Maradona und Argentinien.

EM 1996

Auch in England läuft es glatt. Wieder steht nach zwei Siegen und einem Remis der Gruppensieg fest. Jürgen Klinsmann und Kollegen ziehen weiter Richtung Wembley. Dort wird erst England dramatisch im Elfmeterschießen besiegt, dann sorgt Oliver Bierhoff per Golden Goal für den bislang letzten EM-Titel

WM 2014

Der Gruppensieg wird in der Regenschlacht von Recife gegen die USA gesichert. Das Selbstvertrauen ist da, trotz dadurch schwerer K.o.-Gegner wie Frankreich im Viertelfinale. Brasilien bekommt das beim legendären 7:1 später zu spüren. Mario Götze schießt Deutschland zum WM-Sieg.
SID

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