ZUM TAGE

Nagelsmann geht konsequent seinen Weg

von Redaktion

Nicht zufrieden: Bundestrainer Julian Nagelsmann. © Weller/dpa

Julian Nagelsmann und Rudi Völler haben sei einiger Zeit ein neues Ritual: Der Bundestrainer und sein Sportdirektor trinken am Spieltag während der Busfahrt zu den jeweiligen EM-Stadien auf der Busfahrt gemeinsam ein Red Bull. Koffein steigert bekanntlich die Konzentrationsfähigkeit – und im Vorfeld des letzten Gruppenspiels der Europameisterschaft gegen die Schweiz gab es einige Themen, die den Bundestrainer beschäftigten. Vor allem die Frage nach der Startaufstellung hätte den 36-Jährigen schlaflose Nächte bereiten können.

Immerhin waren vor Anpfiff mit Antonio Rüdiger, Jonathan Tah, Maximilian Mittelstädt und Robert Andrich gleich vier Spieler mit einer Gelben Karte vorbelastet. Was also tun? Die Startaufstellung ändern, um eine mögliche Sperre im Achtelfinale zu vermeiden? Oder durchziehen, um den Gruppensieg fix zu machen?

Nagelsmann entschied sich für die zweite Variante und hat dadurch Entscheidungsstärke und Mut bewiesen. Vor Anpfiff begründete der Nationaltrainer seine Entscheidung damit, dass seine Stammelf noch nicht allzu viele Partien gemeinsam absolviert habe. So könne das Team weiter Sicherheit gewinnen. Der gebürtige Landsberger kündigte allerdings an, dass er eventuell früher auswechseln werde als zuletzt gegen Schottland und Ungarn.

Für den Bundestrainer ist es also wichtiger, dass sich seine Mannschaft im Hinblick auf den angestrebten Turnier-Erfolg einspielt, statt sich mit einem personellen Taktieren eventuell einen kleinen Vorteil im Achtelfinale zu verschaffen. Vermutlich hat er seine Gedankengänge nach der Gelben Karte von Tah zwischenzeitliche bereut, die mittelfristigen Auswirkungen werden sich aber erst im Achtelfinale zeigen.

Unabhängig vom gestrigen Ergebnis gegen die Schweiz haben sich Nagelsmann und sein Trainerteam mögliche Unruhen vor dem Start in die K.o.-Runde vom Leib gehalten. Man stelle sich vor, Leroy Sané oder Niclas Füllkrug hätte von Anfang gespielt, groß aufgetrumpft und sich im Achtelfinale wieder auf die Bank hocken müssen. Fraglich, ob das förderlich für das Team-Gefüge gewesen wäre. So können alle gemeinsam an einem Strang ziehen und beweisen, dass das Schweiz-Remins nur ein Ausrutscher war.

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