ZUM TAGE

Tannenbaum in der Box

von Redaktion

Der beste Torschütze dieser EM ist kaum noch einzuholen, schon nach 18 Spielen (Stand jetzt: Sonntag, 15.00 Uhr) liegt er ganz weit vorne, sechs Buden hat O.G., wie er unter uns Fachleuten genannt wird, bereits gemacht.

Die meisten Treffer waren, nun gut, eher reingestolpert, -gestochert, -gewürgt, aus kürzester Distanz, aber das liegt in der Natur der Sache begründet. Arnd Zeigler jedenfalls hat schon nach einem Viertel dieses Turniers mehr als genug Material für seine Liste des „Kacktors des Monats“. Und eigentlich hat er sogar siebenmal zugeschlagen, dieser Knipser, aber die UEFA gab dem Schotten McTominay den Treffer. Vielleicht, weil die Schotten nach Antonio Rüdigers Hilfsdienst in der Auftaktpartie dann noch gar kein echtes Tor aus eigener Produktion erzielt hätten?

Schlaue Leserinnen und Leser wissen spätestens jetzt: Es geht um Eigentore, O.G. steht für engl: own Goal. Antonio Rüdiger (Deutschland) hat es gleich vorgemacht, erstes Spiel, erstes Eigentor, er hat sich forsch an die Spitze einer Entwicklung gesetzt, sehr löblich, die Herren Wöber (Österreich), Hranac (Tschechien), Gjasula (Albanien), Calafiori (Italien) oder Akaydin (Türkei) haben stante pede nachgelegt. Sechs Bälle (respektive sieben, gell Herr Schär, Schweiz) ins falsche Netz versenkt, sind schon eine ganze Menge.

Die Eigentorschützen wurden angeschossen

Das ist für die Betroffenen nicht schön (außer es ist Rüdiger, der zum verschmerzbaren 4:1 falsch einnetzte). Man möchte dann am liebsten im nächsten Mauseloch verschwinden, gibt nur keines, selbst im tiefen Frankfurter Geläuf nicht. Dabei dürfen alle Unglücksraben mildere Umstände reklamieren, sie konnten nichts für ihre Bolzen. Sie wurden schlicht angeschossen, nachdem die Kugeln pinballwizzardmäßig durch die Box geflippert waren, Querschlägern gleich. Im Grunde hätte an ihrer Stelle auch ein Tannenbaum stehen können – was zugegebenermaßen auf dem Platz eher selten ist – der Ball wäre ganz sicherlich ebenso über die Linie gelenkt worden.

Deutet sich da womöglich ein neuer Trend an? Wirkt die zunehmende Verdichtung des Feldes, die vielbeinige Verbarrikadierung des Allerheiligsten etwa kontraproduktiv, will sagen: Viele Köche verderben den Brei, im Übereifer passieren zuweilen eben seltsame Dinge.

Oder, positiv: Ist der Druck der Angriffsreihen so groß und unerbittlich,. Ist das Tempo im heutigen Spiel so groß geworden, die Hereingaben so scharf, dass derlei Missgeschicke geradezu zwangsläufig passieren?

Schön wärs, Tore fallen ja nie genug.

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