Die nächste schwache Leistung seines Teams: Englands Coach Southgate. Die Fans gaben besonders ihm die Schuld. © IMAGO
Köln – Die englischen Fans warfen mit Bechern nach Gareth Southgate und pfiffen ihn wutentbrannt aus. Zumindest die, die noch da waren, als sich Englands Teammanager von seiner Mannschaft entfernte und alleine in Richtung der Anhänger applaudierte. Auch in England sorgte die nächste rätselhaft schwache Leistung der Three Lions für Aufruhr: „Bier, Spott und Tränen“ titelte die „Daily Mail“. Die Boulevardzeitung „The Sun“ nannte den Auftritt „erneut uninspiriert“.
Die Three Lions behäbig und ohne Offensivkraft
Immerhin, Southgate stellte sich der Kritik. „Ich verstehe es, ich ducke mich nicht weg“, sagte er nach dem enttäuschenden 0:0 gegen Slowenien über die Reaktionen, die sich eher gegen seine Sicherheits-Taktik richteten als den sportlichen Ertrag. Zwar ist England Gruppensieger, agierte aber gegen die Nummer 57 der Welt erneut behäbig. In den Sozialen Medien kursierte das Foto eines schlafenden Fans – aufgenommen während der Partie.
Der Favorit hatte auch gegen Slowenien zumeist den den Ball, doch Offensivdrang entfaltete das Team um Harry Kane und Jude Bellingham keineswegs. Southgate nahm den Ärger darüber auf sich: „Besser es trifft mich als die Spieler.“ Trotzdem gab auch Verteidiger Kieran Trippier zu, er verstehe angesichts des zur Verfügung stehenden Kaders den Frust der Fans, „die viel Geld ausgegeben haben“. Zugleich aber versicherte er: Die „Tore werden kommen“.
Ob dies im Achtelfinale durch Änderungen an der Startelf geschieht? Fraglich. Immerhin sorgte die Einwechslung von Cole Palmer für jubelnde Fans und mehr Schwung. Im Zusammenspiel der hochbegabten Joker Kobbie Mainoo und Anthony Gordon ergaben sich „feine Spielzüge“, wie auch Southgate erkannte. Gordon stellte jedoch klar: „Wir sind zu berechenbar, wir brauchen mehr Kreativität.“ Doch genau diese Fantasie ließen die Engländer bislang vermissen.
Bei aller Kritik ging unter, dass die Three Lions als Sieger der Gruppe C ein Achtelfinale mit Deutschland vermieden und somit ein „Albtraum-Szenario“, das die englischen Medien zuvor befürchtet hatten. Auch die vermeintlich schwerere Seite des Turnierbaums bleibt England erspart: Duelle mit Deutschland oder Spanien sowie Frankreich sind frühestens im Finale möglich. Zudem geht es im Achtelfinale am Sonntag (18.00 Uhr) in Gelsenkirchen gegen einen Gruppendritten.
Gary Neville klagt: „Wirklich schwer anzuschauen“
Kapitän Kane betonte das Positive: „Die Gruppe auf Platz eins zu beenden und unser eigenes Schicksal zu bestimmen, das war unser Ziel. Ich habe das Gefühl, dass wir diesmal viel besser gespielt haben als in den anderen beiden Begegnungen.“ Ex-Profi Gary Neville sah das aber nicht ganz so wie der Bayern-Stürmer und kritisierte vor allem die schwache erste Hälfte. „Es war wirklich schwer anzuschauen“, sagte Neville.
Schon bei der Europameisterschaft 2021 tat sich England in der Vorrunde schwer. Mit einem Torverhältnis von 2:0 (diesmal 2:1) kamen die Engländer aber auch damals als Gruppensieger in die K.o.-Runde – und nach einem 2:0 gegen Deutschland im Achtelfinale bis ins Endspiel. Die vergangenen Leistungen seiner Mannschaft, sagte Southgate, hätten zu den hohen Erwartungen geführt: „Wir haben dafür gesorgt, dass England wieder Spaß macht“, sagte er.
In Deutschland ist das bislang nicht der Fall.
SID