Satter Siegtreffer: Marcel Sabitzer, der beste Mann der Österreicher, sorgte aus spitzem Winkel für das 3:2. © dpa
Begeistert von seinem Team: Austria-Coach Ralf Rangnick. © epa
Rot-weiß-rote Party: Die ÖFB-Spieler feierten im Berliner Olympiastadion mit den österreichischen Fans den Erfolg über Oranje, der den Gruppensieg bescherte. © dpa
Berlin – Im Mannschaftsbus ging die Party so richtig los. Auf dem Weg vom Berliner Olympiastadion zum Schlosshotel Grunewald steigerte sich Dienstagnacht die Stimmung der österreichischen Nationalmannschaft sukzessive.
Wie unsere Zeitung erfuhr, dröhnten aus der mit dem ÖFB-Logo gebrandeten Lautsprecherbox zuerst die lockeren Austropop-Klassiker „Strada del Sole“, „I am from Austria“, „Großvater“ und „Weus‘d a Herz hast wia a Bergwerk“ – ehe Marko Arnautovic & Co. kurz vor Ankunft im Team-Quartier ordentlich „Sweet Caroline“ grölten. „Wir arbeiten sehr hart, aber wir feiern auch sehr gut. Deshalb genießen wir auch diese Momente“, sagte Marcel Sabitzer nach dem Sieg gegen die Niederlande.
Konrad Laimer schlug gegen die Decke des Busses, David Alaba – nach seinem Kreuzbandriss als Teil des Trainerteams dabei – hüpfte herum und Michael Gregoritsch knöpfte sogar sein Hemd komplett auf. Alle brüllten zum Klassiker von DJ Ötzi: „So good, so good, so good!“
So gut! Das sind die Österreicher bei der Europameisterschaft in Deutschland. 0:1 gegen Frankreich, 3:1 gegen Polen, 3:2 gegen die Holländer. Die Alpenrepublik ließ in der herausragend besetzten Gruppe D alle hinter sich. „Wer darauf getippt hätte, der wäre jetzt wahrscheinlich ein reicher Mann oder eine reiche Frau“, sagte Teamchef Ralf Rangnick vor dem Achtelfinale am Dienstag (21 Uhr) in Leipzig. Wir erklären, wie Österreich plötzlich zum Titelkandidaten wurde.
Trainer Rangnick ist für den ÖFB Gold wert
Trainer: Rangnick hat im Juni 2022 überraschend das Teamchef-Amt übernommen. Und ist seitdem für den ÖFB Gold wert. Unter dem Deutschen hat die Mannschaft nicht nur deutlich mehr Selbstvertrauen, sondern auch eine klare Spielidee. Beobachter sprechen dabei aufgrund seiner Vergangenheit häufig von „Red-Bull-Fußball“. Das wäre aber viel zu kurz gegriffen.
Bei diesem EM-Turnier gut zu beobachten: Österreich spielt zwar unglaublich intensiv. Das Team läuft aber nicht durchgehend an, sondern presst mit Kopf. „Was mir besonders gefallen hat, waren auch die vielen Ballbesitzphasen, die wir hatten“, erklärte Rangnick stolz.
Das Motto: „Nur Mutige können etwas erreichen“
Mut: Ein Wort, das Rangnick nach Informationen unserer Zeitung immer wieder in den Mannschaftsbesprechungen bewusst erwähnt. Das Motto: „Nur mutige Menschen können etwas erreichen.“ Die Österreicher wissen, dass sie sich vor keinem Team verstecken müssen. Überheblich sind sie aber nicht. „Wir haben die Qualität, dass wir jeden Gegner schlagen können, aber es wird ein sehr schwerer Weg“, betonte Sabitzer.
Teamgeist: Jeder Spieler kennt seine Rolle. Keiner läuft mit finsterer Miene herum, wenn er mal nicht zum Einsatz kommt. „Die Mannschaft ist so zusammengeschweißt“, so Arnautovic. Den Teamgeist stärkte Rangnick mit einem besonderen Geschenk: Zu Beginn der EM-Qualifikation überreichte er jedem Spieler einen Karabinerhaken mit spezieller Gravur. Im Metall ist der Name des jeweiligen Spielers zu lesen, dazu das Datum der EM sowie der Umriss Österreichs. Alaba verriet in der ÖFB-Doku „Teamgeist“ von TV-Sender Canal+: „Egal, wo ich hinreise – der Karabinerhaken ist dabei.“ Aus österreichischer Sicht hoffentlich bis zum Finale am 14. Juli in Berlin. PHILIPP KESSLER