Wird schon, Männer!

von Redaktion

Rudi Völler, Ruhepol des DFB-Teams, blickt aufs Achtelfinale gegen Dänemark

„Es gab bisher keine Brandherde“, sagt ein zufriedener Sportdirektor Rudi Völler. © dpa/Federico Gambarini

Einer, den man nicht in Frage stellt: Florian Wirtz ist für Rudi Völler in der Nationalmannschaft gesetzt. © dpa/Christian Charisius

Herzogenaurach – „Danke, Männer“, sprach Rudi Völler am Ende seiner Pressekonferenz ins Auditorium, was ein bisschen kurios ist, weil der Fußballjournalismus längst eine weibliche Seite bekommen und die Nationalmannschaft eine Pressesprecherin hat. Rudi Völler ist 2004 als Teamchef von seinem Stuhl aufgestanden und hat 2023 als Sportdirektor wieder Platz genommen. Aber niemand ist ihm wegen seiner Unkorrektheit böse, denn gerade weil er altmodisch ist – er selbst sagt mittlerweile „old school“ –, hat man ihm diese Aufgabe angetragen.

Völler leitet mit 64 Jahren und ergrautem Resthaar die Abteilung Ruhe bewahren, sich an den guten Zeiten orientieren, aus der Lebenserfahrung schöpfen. Nicht deprimiert sein, wenn‘s schlecht läuft, nicht abheben, wenn sich die Dinge gut entwickeln. Die Europameisterschaft 2024 ist aus seiner Sicht gut verlaufen. „Es gab nicht die Brandherde, die es hätte geben können.“

Er trinkt im Herzogenauracher Homeground besonders gerne Kaffee (Filter, nichts Neuartiges mit übermäßig Milchschaum) mit Manuel Neuer und Thomas Müller – und geht davon aus, dass diese Kränzchen noch nicht zu Ende sind. Der Blick voraus aufs Achtelfinale am Samstag (21 Uhr) in Dortmund gegen Dänemark: „Wenn wir ein paar Fehler aus dem Schweiz-Spiel weglassen, kommen wir ins Viertelfinale.“

„Wir haben auf die richtige Karte gesetzt“, berichtet Völler vom Dienstagabend-Programm des Teams. Man schaute Dänemark – Serbien, „weil da die Wahrscheinlichkeit größer ist, dass unser Gegner dabei ist“. Die Dänen sah der Sportdirektor des DFB „einen kleinen Tick besser“. Kurze Charakterisierung: „Kopfballstark, körperbetont, robust – tun sich aber schwer, selbst Tore zu erzielen. Zuversicht haben wir auf jeden Fall.“ Dabei spricht die Historie der bisherigen Begegnungen mit den Nordeuropäern gegen Deutschland. Rudi Völler erlebte zu seiner aktiven Zeit mit, wie der kesse Nobody in den 80er- und 90er-Jahren dem DFB-Team regelmäßig zusetzte. In seinem „Nähkästchen“ liegt das 0:2 verlorene Endspiel der EM 1992: „Ich hatte mir im ersten Spiel den Arm gebrochen und wurde zum Finale als Glücksbringer eingeflogen.“ Aber das Damals sage fürs Heute nichts mehr aus: „Das ist Lichtjahre her.“ Es war in der Danke, Männer-Zeit.

Rudi Völler hat bei der EM 2024 „im Hintergrund bleiben können“, weil es gut läuft. „Das Wichtigste war immer: Wie können wir die Menschen auf unsere Seite bringen? Das haben wir geschafft. Wir haben die Gruppenphase mit einem überragenden Spiel begonnen, das hat geholfen. Danach ist es holpriger geworden, aber wir können es einschätzen.“ Die öffentlichen Personaldiskussionen greift Völler nicht auf. Er verteidigt, dass Kai Havertz spielt (“Vielleicht bin ich da befangen, weil ich ihn nach Leverkusen geholt habe – aber er macht es gut“), und er hält Florian Wirtz für unumstritten (“Er ist in der Nationalmannschaft viel mehr angekommen als vor sechs, sieben Monaten. Es ist er Fluch der guten Tat, dass Spiele als durchschnittlich bewertet werden, auch wenn er überragende Momente hatte“).

Ob Verteidiger Antonio Rüdiger bis Samstag fit werde, könne man noch nicht sagen, doch selbst wenn die Erstbesetzung der Abwehrzentrale mit dem gesperrten Jonathan Tah ausfalle: „Dahinter haben wir Spieler mit so hoher Qualität, dass keine negativen Gedanken aufkommen.“

In diesem Sinne: Wird schon, Männer. GÜNTER KLEIN

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