Blondie Struff startet mit Wucht

von Redaktion

Deutsche Nummer zwei sorgt für glänzenden Wimbledon-Start

Hartes Stück Arbeit: Titelverteidiger CarlosAlcaraz. © IMAGO

Die neue Frisur unter der Kappe versteckt: Struff gewann zum Auftakt gegen Marozsan. © DPA

London – Jan-Lennard Struff streckte die Faust in die Luft und zog zufrieden sein Käppi von den frisch blondierten Haaren. Mit neuer Friseur und altbekannter Power hat die deutsche Nummer zwei für einen glänzenden Start gesorgt.

Während Olympiasieger Alexander Zverev und die dreimalige Grand-Slam-Siegerin Angelique Kerber sich noch auf ihre ersten Auftritte am Dienstag vorbereiteten, lieferte Struff beim 6:4, 6:7 (4:7), 6:2, 6:3 gegen den Ungarn Fabian Marozsan schon viel ab. Der 34-Jährige überzeugte mit brachialem Service, starker Körpersprache und stabilen Nerven.

„Ich bin sehr happy mit der Art und Weise, wie ich es gespielt habe und dass ich gewonnen habe“, sagte Struff, der das einmalige Flair genießt: „Es ist wunderschön und besonders hier zu sein. Man spürt irgendwie, dass es heilig ist.“ Für seinen neuen Look hatte seine Freundin gesorgt. „Es hat glücklicherweise geklappt“, sagte er schmunzelnd.

Struff war als erster von insgesamt sechs deutschen Spielern am Montag im Einsatz und erwies sich gegen den Weltranglisten-43. Marozsan als aggressiverer Spieler. Der Lohn seines konzentrierten Auftritts ist ein Zweitrundenmatch gegen den an Position 32 gesetzten Chinesen Zhang Zhizhen. Struffs bisher bestes Abschneiden auf dem „heiligen Rasen“ war das Erreichen der dritten Runde 2018 und 2019.

Unterdessen fieberten auch Zverev und Kerber ihrem Start in Wimbledon entgegen – mit unterschiedlichen Vorzeichen. Kerber setzt im Duell mit der kasachischen Weltranglisten-35. Julija Putinzewa darauf, dass sie wieder dieses besondere Gefühl entwickelt. Ein Stück des Flows, der sie 2018 zum Titel trug. Die Ergebnisse zuletzt waren allerdings mau.

Wenn Kerber von der Church Road kommend die malerische Anlage des All England Lawn Tennis and Crocket Club betritt, ist sie noch immer Champion. Ein kleines Symbol auf ihrer Akkreditierung weist die 36-Jährige als Turniersiegerin aus. Ein Stück dieser Aura soll ihr auch sechs Jahre nach dem Triumph helfen. Sportliche Erfolge der dreimaligen Grand-Slam-Siegerin sind rar geworden.

„Wenn ich hier zurückschaue, gab es hier viele Auf und Abs“, sagte Kerber: „Aber natürlich überwiegen die schönen Momente und die Emotionen, die ich hier hatte. Und ich hoffe, dass ich das auf dem Platz wieder merke und umsetzen kann.“

Die Kielerin, die 2018 im Finale US-Star Serena Williams entzauberte, ist nach ihrem Comeback im Frühjahr noch immer weit von früheren Sphären entfernt. Sie geht als Weltranglisten 221. in das Erstrundenduell gegen die kasachische Weltranglisten-35. Julija Putinzewa. Und ohne große Erwartungen.

Die Hoffnungen liegen auch in ihrer sportlichen Vergangenheit, in dem besonderen Gefühl, dass sie auf dem akkurat gemähten Rasen verspüren kann. Bei Alexander Zverev ist es genau anders herum. Bisher verbindet den Olympiasieger mit dem Klassiker nicht viel. Aber Zverev verspürt das Momentum und will endlich auch bei seinem bisher schwächsten Grand Slam angreifen.

Mächtig ins Schwitzen ist Carlos Alcaraz zum Auftakt gekommen. Der Titelverteidigung kämpfte den mutigen Qualifikanten Mark Lajal aus Estland in 2:22 Stunden mit 7:6 (7:3), 7:5, 6:2 nieder. „Er hat mich etwas überrascht, ich bin froh, dass ich meinen ersten Sieg auf dem Center Court in diesem Jahr geschafft habe“, sagte der 21-Jährige: „Ich bin immer noch nervös, wenn ich hier spiele.“ Drei Wochen nach seinem Finalsieg bei den French Open gegen Alexander Zverev fehlte Alcaraz phasenweise noch die Leichtigkeit. Er muss sich steigern.
SID

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