Verkaufshit: Offizielles EM-Trikot von Adidas. © IMAGO
Herzogenaurach – Herzogenaurach, die kleine Weltstadt, hat die Chance ergriffen. Womöglich war es die letzte. Die deutsche Nationalmannschaft wurde nach ihrem Achtelfinalsieg gegen Dänemark gebeten, sich ins Goldene Buch einzutragen. Wer weiß, ob sie nach dem Viertelfinale gegen Spanien noch zurückkommt? Und in den folgenden Jahren? Der Vertrag mit Adidas läuft 2027 aus, dann wird der DFB vom US-Giganten Nike ausgerüstet. Wehmut wird spürbar, wenn vom großen Deal die Rede ist, doch Bürgermeister Dr. German Hacker (SPD) will keine Klage führen, denn: „Das ist Sportmarketing. Und wir haben es erfunden.“
Er eröffnet eine Ausstellung im Stadtmuseum, es ist Jubiläum. Sowohl Adidas als auch Puma haben kürzlich ihren 75. Geburtstag gefeiert, eine jede Firma mit ihren Stars, zum Beispiel war Stan Smith (77) da, der sagte: „Jetzt wissen die Menschen, dass ich kein Turnschuh bin.“ Sondern ehemaliger Tennisstar. 2024 ist auch noch der 100. Geburtstag beider Unternehmen, weil sie bekanntlich aus einem entstanden: Am 1. Juli 1914 war die „Schuhfabrik Gebrüder Dassler“, kurz Geda, ins Handelsregister eingetragen worden. Adi war der Tüftler, Rudolf wachte über die Finanzen. Es gab schon Werbeflyer, auf ihnen stand die Telefonnummer des Betriebs, die 46.
Eingeladen hat Puma (Rudolf), doch es sind auch Vertreter von Adidas (Adolf) da. Aus der Schweiz angereist ist Adis Tochter Sigrid. Den Puma-Zweig vertritt Rudolfs Enkel Michael Dassler, Zweiter Bürgermeister von „Herzo“. Ein feierlicher Termin, doch es wird die jeweilige Marke getragen. Man geht aber unverkrampft miteinander um, Arne Freundt, der CEO von Puma, und Adidas-Finanzchef Harm Ohlmeyer umarmen sich. „Als ich vor 26 Jahren angefangen habe, bestand eine Rivalität zwischen den Firmen“, sagt Ohlmeyer, „jetzt ist es ein Wettbewerb.“
Die EM läuft für beide gut: Adidas hat vor allem mit dem pinken DFB-Trikot einen Verkaufshit gelandet. Puma setzt dagegen einen Verschenkhit. Es ist Partner des Münchner Vergleichsportals Check 24, das mit seinen Lukas-Podolski-Spots alle Kanäle bespielt. Check 24 brachte fünf Millionen Trikots im Deutschland-Stil mit KI-generiertem Adler auf der Brust unters Volk. Hersteller: Puma. Ein PR-Coup. Früher hätte solch ein Streich die Gräben in der fränkischen Stadt vertieft, heute blickt sie gelassen auf die Konkurrenzsituation. Dass der größte Klotz in der Sportartikelindustrie der Emporkömmling Nike ist, hat Adidas und Puma einander nähergebracht. Auch bei Puma wurde bedauert, dass Deutschland kein Adidas-Team mehr sein wird.
Das Herzogenauracher Wunschfinale war Deutschland – Österreich. Einmal Adidas, einmal Puma. „Dann gewinnen auf alle Fälle wir“, sagt Bürgermeister Hacker. Das Thema Österreich erledigte sich kurz danach, bleibt die Schweiz. Einziges Puma-Team auf einer Seite des Turnierbaums mit lauter Nike-Vertretern (Niederlande, England, Türkei). Adidas drückt die Daumen. GÜNTER KLEIN