„Ich liebe dieses Rennen“

von Redaktion

Cavendish nach Etappen-Rekord bei der Tour hochemotional

Die Familie gibt ihm Stabilität: Mark Cavendish. © afp

Dijon – Im Hochgefühl des Tour-Rekords galt Mark Cavendishs einzige Sorge jenem Mann, der wie er selbst auf den Spuren des legendären Eddy Merckx wandelt. Innig umarmte der erfolgreichste Etappenjäger der Frankreich-Rundfahrt Tadej Pogacar im Gelben Trikot – und bat ihn um einen einzigen Gefallen. „Brich meinen Rekord nicht“, sagte Cavendish und lachte.

Sorgen machen muss sich der 39-jährige Brite (noch) nicht. Seit seinem Sprintsieg am Mittwoch in Saint-Vulbas ist Cavendish mit 35 Erfolgen alleiniger Rekordhalter vor Rad-Idol Merckx (34). Pogacar, der seinen dritten Tour-Gesamtsieg anpeilt, liegt bei zwölf. 47 Jahre hielt Merckx‘ Rekordmarke, er galt als unerreichbar. Auch Cavendishs Bestwert wird Jahre Bestand haben. „Ich habe dem großen Eddy Merckx nichts weggenommen. Das ist nur eine Zahl“, sagte Cavendish: „Eddy Merckx bleibt Eddy Merckx. Ich liebe ihn.“

Viel Liebe und Zuspruch erhielt Cavendish selbst. Merckx selbst gratulierte dem „guten Typ“ Cavendish via Instagram zur „historischen Leistung“, viele Kollegen umarmten den Briten im Ziel von Saint-Vulbas. Der deutsche Rekordhalter Marcel Kittel (14 Siege) sagte: „Mark Cavendish hat Sportgeschichte geschrieben.“

Es sind die Zahlen seiner Karriere, die Cavendish Respekt verschaffen. „Cav“ siegte bei 165 Rennen, nur Merckx (276) war besser. Zwei Mal gewann er das Grüne Trikot der Tour de France (2011, 2021), war Weltmeister (2011). Über mehr als ein Jahrzehnt bringt er Höchstleistungen im Sprint. Vor 5838 Tagen, als „Cav“ am 9. Juli 2008 in Chateauroux seinen ersten Tour-Etappensieg feierte, hieß einer seiner Gegner Erik Zabel. Das Gelbe Trikot trug Stefan Schumacher.

Geachtet wird Cavendish aber auch für seine Persönlichkeit. Der Etappenjäger von der Isle of Man, der unlängst von König Charles zum Ritter ernannt wurde und sich nun Sir Mark nennen darf, hat mehrfach Leidensfähigkeit bewiesen. Eigentlich hatte Cavendish die Karriere Ende des vergangenen Jahres beenden wollen. Seine Rekordjagd bei der Tour endete 2023 mit einem Sturz, also hängte er noch ein Jahr dran. 2018 hatte eine Infektion mit dem Epstein-Barr-Virus seinen Körper geschwächt. Depressionen quälten ihn. „Es waren dunkle Tage“, sagte Cavendish später: „Ich habe sie hinter mir gelassen.“

Das Leben kann Cavendish wieder genießen. Seine Familie um Gattin Peta Todd und seine vier Kinder, die er nach der Rekordfahrt lange herzte, geben ihm Stabilität, Ansporn und Halt. Auch die Tour de France war stets eine Quelle der Motivation. „Ich liebe dieses Rennen. Ich habe dieses Rennen immer geliebt“, sagte Cavendish.

Die sechste Etappe am Donnerstag beendete der Brite auf Rang 19. Es siegte der Niederländer Dylan Groenewegen vom Team Jayco-AlUla nach 163,5 km in Dijon im Massensprint vor dem Eritreer Biniam Girmay und Fernando Gaviria aus Kolumbien. Phil Bauhaus wurde starker Vierter. Pogacar kam mit dem Hauptfeld ins Ziel.
SID

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