Raus aus der Falle

von Redaktion

So entkommt das Nagelsmann-Team Spaniens Pressing

Die deutschen Außenverteidiger werden laut Taktik-Experte Brunnschneider viel Raum bekommen. © IFI

München – Super-Druck im Super-Spiel. Im Viertelfinale der Europameisterschaft wartet Topfavorit Spanien auf Gastgeber Deutschland. Eine Mammutaufgabe gegen eine Mannschaft, die bisher als einziges Team jede ihrer Partien des Turniers gewonnen hat.

„Spanien spielt sehr dominant und verfügt über sehr ballsichere Spieler. In ihren letzten Partien drängten die Spanier ihre Gegner immer wieder tief in deren Hälfte und spielten phasenweise wie im Handball um den Kreis um den gegnerischen Strafraum herum“, sagt Experte Markus Brunnschneider vom Internationalen Fußball Institut (IFI) in Ismaning und warnt vor zwei Stars der „Furia Roja“: „Bei der deutschen Analyse stehen sicher Lamine Yamal und Nico Williams im Fokus. Ihre Mitspieler setzen die beiden Virtuosen wiederholt ein und lassen sie gerne in Eins-gegen-eins-Situationen auf dem Flügel gehen. Dabei ist Nico Williams einen Tick vielseitiger, er kann mit links und rechts Lösungen finden.“

Sehr auffällig ist laut Brunnschneider, wie Spanien nach Ballverlust sofort ins Gegenpressing gehe, um schnell wieder Ballbesitz herzustellen. „Oftmals erzeugen sie in der gegnerischen Hälfte Überzahl und können so sofort den nächsten Angriff starten. Der Gegner kommt kaum dazu, Luft zu holen“, so der Fachmann. Darin liegt allerdings auch die Chance der Mannschaft von Bundestrainer Julian Nagelsmann. „Das ständige Gegenpressing der Spanier funktioniert so gut, weil die ballfernen Spieler extrem einschieben und das Spielfeld sehr eng machen. Deswegen könnte die deutsche Mannschaft aber nach der Befreiung aus dem Pressing die ballfernen Flügel finden und mit Rechtsverteidiger Joshua Kimmich, Linksverteidiger David Raum oder Maximilian Mittelstädt gefährlich vors Tor kommen“, erklärt Brunnschneider, der dabei an die Anfangsphase des Achtelfinales der Spanier (4:1) erinnert: „Gegen Georgien waren die Spanier meist nach Kontersituationen anfällig. Sie ließen Torchancen zu und kassierten nach so einer Aktion auch den zwischenzeitlichen Rückstand.“

Außerdem würde die deutsche Nationalmannschaft die Spanier vor Aufgaben stellen, wie das noch kein anderer Gegner in den bisherigen vier Turnierspielen geschafft habe. „Ein hohes Anlaufen der DFB-Elf kann, zumindest phasenweise, dafür sorgen, dass die Spanier nicht in ihr Spiel kommen“, betont Brunnschneider. Der Taktik-Experte sieht noch eine weitere Schwachstelle der spanischen Auswahl: „Deutschland sollte Druck auf Torhüter Unai Simon ausüben und Abschlüsse suchen.“
BOK, PK

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