Merinos Moment für die Ewigkeit

von Redaktion

Spanien sicher: Das ist ein Siegerteam

„Völlig losgelöst“: Das gilt hier mal für einen Spanier. Mikel Merino, Einwechselspieler, köpft sein Team ins EM-Halbfinale. Schon sein Vater hatte in diesem Stadion Großes vollbracht. © AFP/Tobias Schwarz

Stuttgart – Es war ein ungewöhnlicher Jubel, den Mikel Merino nach seinem Kopfballtreffer zum 2:1 gegen Deutschland in der 119. Minute des Viertelfinales vollführte. Teil eins, der explosive Sprung, war Standard, dann stellte der Einwechselspieler der Fachwelt ein Rätsel: Er lief zur Eckfahne und umrundete sie in geduckter Haltung. Es war ein Zitat. Mit Familienhintergrund: In Stuttgart, in diesem Stadion, hatte auch Merinos Vater, schon einmal ein Tor erzielt: für seinen Club CA Osasuna in der zweiten Runde des UEFA-Pokals gegen den VfB. Er feierte es mit diesem Eckfahnen-Rundlauf.

Der Treffer des Seniors schlummert in den Tiefen der Fußball-Archive, wie der Junior am Freitagabend den Ball nach Flanke von Dani Olmo ins deutsche Tor wuchtete, das jedoch wird ein Moment für die Ewigkeit sein. „Definitiv ist das so“, erklärte Luis de la Fuente, der spanische Nationaltrainer. Zwar wurde das Land schon zweimal Europa- (2008, 12) und einmal Weltmeister (2010), doch selbst die großen Mannschaften hatten keine komplett makellose Bilanz. „Es ist das erste Mal in einem großen Turnier, dass wir fünf Spiele am Stück gewinnen und gegen ein Heimteam weiterkommen“, so de la Fuente. Nun wartet im Halbfinale in München am Dienstag (21 Uhr, ZDF, Magenta TV) Frankreich.

Luis de la Fuente hat Spanien von den Zweifeln erlöst, ob der Fußball von „La Furia Roja“ noch zeitgemäß ist. Die Schönheit des Tiki-Taka-Spiels war unbestritten, doch andere Nationen spielten pragmatischer. Weswegen Spanien in den Turnieren nach der goldenen Ära nicht mehr weit kam. Bei der WM 2022 scheiterte man im Achtelfinale an Marokko. „Aber wir werden unseren Stil nicht ändern“, verharrte der damalige Trainer Luis Enrique in seiner Ideologie. Der Verband berief dann den Nachwuchscoach Luis de la Fuente ins höchste Amt. Er hatte Titel mit der U19 und der U21 geholt, Spieler wie Merino und Dani Olmo, der auch für Kroatien hätte spielen können, wurden von ihm gefördert. „Er spielt eine wichtige Rolle in meiner Karriere“, sagt Dani Olmo. Der bescheidene de la Fuente meint: „Mein Verdienst ist nur, dass ich die Spieler kenne.“

Im Halbfinale wird Spanien der von Toni Kroos verletzte Pedri fehlen, zudem die gesperrten Le Normand und Carvajal. Das haut de la Fuente nicht um: „Unsere Spieler haben in der Jugend und in den Vereinen schon viel gewonnen. Das ist ein Siegerteam.“
GÜNTER KLEIN

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