Gott, wie war das alles schröcklich! © Screenshot/ZDF
Und wenn sie nicht gestorben sind, dann hadern sie noch heute. Es war ein betrübliches Wochenende im EM-Fernsehen. Im Ersten galt: ARD, alle richtig depri. Und Katrin Müller-Hohenstein, die ZDF-Bundestränerin, wirkte niedergeschlagen wie Axel Schulz nach seinen schlimmsten Verhauungen. Alle fühlten die schlimme Leere. Deutschland, ein Sommerleerchen. Auch wir haben dem Weinen tüchtig zugesprochen – und machen den Frust-Check. Wer sind die besten Grabredner, wer hat die maximale Trauer-Power?
Gerd Gottlob: Hatte die traurige Pflicht, Deutschlands Fußball-Hinterbliebenen reines Weinen einzuschenken. Der ARD-Kommentator fand das triste wie treffliche Bild, dass die DFB-Elf „nicht völlig losgelöst, sondern völlig aufgelöst ist“. Redete sich dann aber besoffen wie ein Trauerredner nach einer Überdosis Messwein. Gottes Lob salbaderte über die „bittere Wahrheit“ und über die „Welle der Euphorie“, als man einfach nur still vor sich hinleiden wollte. Die Stimmung im Land war eh schon tot, Gottlob hat sie noch töter geredet.
Wolff Fuss: Siechen statt Siegen – mit dem Magenta-Mann war es nicht ganz so schröcklich. „Es regnet Eiswürfel“, beschrieb er den Temperatursturz in der elenden 119. Minute. Und er verlor nicht einmal nach dem 1:2 die Resthoffnung auf ein Happy End. „Jetzt muss alles auf den Grill!“, forderte er vollen Einsatz und ächzte: „Füllkrug! Heimatland!“ Sein Motto: „Alles oder nichts.“ Und es wurde: nichts. Aber am Fuss lag’s nicht.
Bibiana Steinhaus: Durchaus dürftig, wie Bibi das Handspiel des Bösen und die Todesursache der deutschen EM-Hoffnungen zu erklären versuchte. „Ich kann es nachvollziehen. Ich denke aber auch, dass eine andere Entscheidung durchaus möglich gewesen wäre“, druckste die Ex-Schiedsrichterin herum. Wo ist Urs Meier, wenn man ihn braucht?
Jens Lehmann: Wusste, warum das Unglück übers Land gekommen ist wie die sieben Plagen der Endzeit. Schuld waren die pinken Haare von Robert Andrich. Der resolute Jens analysierte: „Vielleicht fühlt er sich ja als Frau. Man muss sehr tolerant sein.“ Lehmann hätte die schrillen Strähnen abgesäbelt, mit der Kettensäge!
Trauer im Ersten: Esther und Basti zogen alle Hüte vor dem Bundesjulian. Für Esthers amtliche Ansprache hätte sich der Kanzler nicht schämen müssen: „Sie haben viele Fußballherzen dazugewonnen. Sie haben ein tolles Turnier mit der Mannschaft gespielt. Sie haben ein tolles Spiel abgeliefert.“ So wünscht man sich eine schmissige Trauerrede. Dass Julsi mit seiner unglücklichen Aufstellung Mitschuld am Aus hatte, sparten sich Estherbasti weitgehend. War besser so. De mortuis nil nisi bene, wie wir Lateiner sagen.
Trauer im Zweiten: Das ZDF haderte bis Samstagfrüh um halb eins und haderte am Samstagabend gleich weiter. Es war ein Großhadern. Man wusste gar nicht, ob Chris Kramer, Merte und die immer besser analysierende Fritzy Kromp zwischendurch im Bett waren oder ob sie durchgehadert haben. KMH beklagte „so ne Vollbremsung aus dem Nichts“. Und für Chris Kramer fühlte „es sich an wie Stecker gezogen“. Irgendwann war dann aber alles gesagt, und zwar von allen. Und als Merte seinen Kramer wegen dessen Schweiz-Lobhudeln gepflegt anpflaumte, war fast schon wieder alles normal. Klar, im Weinen liegt die Wahrheit. Im Stepi aber auch: Lebbe geht weiter, selbst nach dem Turnier-Tod.