GOLF

Ein Zwilling kommt selten allein

von Redaktion

Jeremy Paul bester Deutscher – zum Leid seines Bruders

Eineiige Zwillinge: Yannik und Jeremy Paul. © BMW AG

Eichenried – So oft sind Yannik und Jeremy Paul bisher nicht gemeinsam bei Golfturnieren aufgetreten. Daher machten sie es den Medienvertretern am Dienstag vor den BMW International Open ein wenig einfacher: Der eine zog eine blaues Cap auf, der andere ein weißes. Die beiden sind eineiige Zwillinge und tatsächlich auf den ersten Blick sehr schwierig auseinander zu halten. „Wenn man uns alleine trifft, dann kann das schon schwierig sein“, sagt der zwei Minuten ältere Jeremy der beiden 30-Jährigen. „Wen wir zusammen sind, dann gibt es schon Unterschiede.“ Und weil Jeremy Paul nach seinem 20. Rang in München ganz gut drauf war, flachste er gleich noch ein bisschen. „Also am einfachsten ist es, weil er immer die Lacoste-Shorts trägt und ich Footjoy als Sponsor auf dem Shirt habe.“

Half den Fans freilich auch nicht groß. Da sind die meisten froh, dass sie jenen Bruder kennen, der eben in den vergangenen zwei Jahren die European Tour erobert hat, knapp sogar 2023 beim Ryder Cup in Rom dabei gewesen wäre. „Ja“, räumte Jeremy ein und lachte: „Mein Name war die Woche öfter Yannik.“

Jeremy Pauls Auftritt in München war wirklich eine Rarität. Denn sein Lebensmittelpunkt liegt definitiv in den Vereinigten Staaten. Er lebt in Scottsdale/Arizona. Nach einigen Jahren auf der kanadischen Tour verdient er sein Geld jetzt auf der Korn Ferry Tour, dem Sprungbrett nach oben auf die PGA Tour der Topstars. Ganze drei Turniere hat Paul überhaupt erst auf der DP World Tour absolviert. Weil er eben nach dem College, das er gemeinsam mit dem Zwillingsbruder besuchte, direkt in Amerika blieb.

„Der Termin hat in den vergangenen Jahre nie gepasst“, bedauerte er. Heuer bekamen die BMW Open einen neuen Termin, auf der heimischen Tour ist Pause – schon ging es mit dem Flieger über den Atlantik. „Der Aufwand ist groß, das stimmt schon“, versicherte Paul. Denn auch an einem 30-Jährigen geht der Jetlag nicht spurlos vorüber. Der Hesse bereut den Trip aber nicht eine Minute. „Es hat wirklich Spaß gemacht. Ich hab‘ zwar nicht mein bestes Golf gespielt, aber doch relativ gut.“ Kurios: Mit einem späten Birdie am Freitagabend kickte womöglich er selbst Yannik aus dem Wochenende. Der Cut kletterte noch um einen Schlag auf -3, und schon hatte sein Bruder plötzlich jede Menge Freizeit. „Das hat mir schon weh getan, aber es hilft ja nichts.“

Was Paul in München besonders gefiel: die Unterstützung der deutschen Fans. „Das ist schon etwas ganz anderes als in den USA. Da bist du einer von vielen, als Ausländer noch mehr. Das habe ich wirklich sehr genossen.“ Eine Wiederholung ist daher nicht ausgeschlossen. „Wenn ich wieder komme darf, mache ich das gerne, wenn es sich in der Zukunft ergibt.“ Denn am Lebensmittelpunkt wird sich so schnell nichts ändern. Und Paul hat schließlich noch für heuer ein großes Ziel vor Augen. „Ich hoffe, dass ich nächstes Jahr auf der PGA Tour spiele.“ Die Top-30 der zweiten Liga schaffen den Sprung dorthin, wo man als Golfer zumindest in der Theorie aufgrund der Preisgelder seinen Lebensunterhalt etwas leichter verdienen könnte. Rang 13 belegt er derzeit, ist also voll dabei.
CHRISTIAN FELLNER

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