Ein Sportfest löst keine Probleme

von Redaktion

Sicherheit, Stimmung, Nachhaltigkeit – die Bilanz der EM ist durchwachsen

Und für das Wetter können wir ja nichts: Diese beiden Fans hatten trotzdem Spaß im Dortmunder Monsunregen. © dpa

Schwarz, rot, bunt: Die EM 2024 zog Gäste aus aller Welt an – und diese Dame war offensichtlich zufrieden mit Turnierdirektor Philipp Lahm. © dpa / C. Charisius

Frankfurt/Main – Die Politik, die Sportbosse und die TV-Chefs sind sich (natürlich) einig: Die zweite Fußball-EM auf deutschem Boden nach 1988 war ein voller Erfolg. Tatsächlich hat die Bilanz der EURO, die den deutschen Steuerzahler wohl 650 Millionen Euro Kosten wird, allerdings einige Makel vorzuweisen. Die Nationalismus-Debatte, die Schwächen bei der angepriesenen Nachhaltigkeit und die Mängel der Infrastruktur haben gezeigt, dass ein Sportfest kaum zum Problemlöser taugt.

Doch obwohl die Stimmung im Land nicht an die Dauerparty beim Sommermärchen 2006 heranreichte – und ein wenig Ärger über Flitzer, Rasenqualität, Schiedsrichter, das deutsche Viertelfinal-Aus oder das durchwachsene Wetter dazu kam: Am Ende durften sich die Organisatoren über das Lob ihrer Gäste freuen.

„Deutschland war ein außergewöhnlicher Gastgeber“, sagte Spaniens Trainer Luis de la Fuente schon vor dem Endspiel am Sonntag in Berlin (beim Druck dieser Ausgabe nicht beendet). Für den Finalgegner England zog Gary Lineker ein ähnliches Fazit. „Es war toll“, sagte die Ikone der Three Lions: „Ich habe es wirklich genossen.“ So sahen es auch die Rumänen, die mit ihrem Dankesbrief an Deutschland für die vielleicht größte Geste des Turniers gesorgt haben.

Alles andere als vorbildlich verhielten sich dagegen die englischen Spielerfrauen, die mit Privatjet-Trips die ausgegebenen Ziele der Nachhaltigkeit genauso torpedierten wie einige Mannschaften mit ihren Kurzstreckenflügen. Noch schlimmer waren die Auftritte von Nationalisten und Rechtsextremen, die das Turnier als Bühne missbrauchten.

Trotz dieser Negativ-Beispiele und den Problemen der Deutschen Bahn bei der Beförderung von zwölf Millionen Fernreisenden, zogen Turnierdirektor Philipp Lahm, die Europäische Fußball-Union (UEFA), der Deutsche Fußball-Bund (DFB), die TV-Sender und die Spitzenpolitiker unisono eine positive Bilanz.

„Ich glaube, dass wir in vielen Bereichen neue Standards gesetzt haben“, sagte Lahm. Nach Ansicht von Wirtschaftsminister Robert Habeck hat sich Deutschland „wirklich von seiner besten Seite gezeigt“. Innenministerin Nancy Faeser erlebte „das Fußballfest, das wir uns alle erwünscht“ haben: „Für ein Sportereignis dieser Größe hat es bisher nur wenige sicherheitsrelevante Vorfälle gegeben.“

Auch die Gewerkschaft der Polizei (GdP) bilanzierte, dass die EM als „weitestgehend friedliches und fröhliches Fußballfest“ in die Annalen eingehen werde.

Laut DFB-Präsident Bernd Neuendorf war die EM ein positives Signal für Integration und Toleranz: „Das Turnier hat einmal mehr gezeigt: Sport steht für Gemeinschaft und Gemeinsinn, Sport und Fußball stehen für Teilhabe.“ Und natürlich für Geld: Die UEFA rechnet mit Einnahmen in Höhe von 2,4 Milliarden Euro und einem Gewinn von 1,2 Milliarden.

Ein Gewinn war die EM in jedem Fall für die übertragenden Sender. „Wir sind sehr zufrieden, die Zuschauerinnen und Zuschauer waren im TV und online überaus zahlreich dabei, gerade in den jüngeren Zielgruppen besonders stark“, sagte ZDF-Sportchef Yorck Polus. Ähnlich bilanzierte ARD-Kollege Axel Balkausky: „Unsere Übertragungen waren ein großartiger Erfolg.“

Auch bei MagentaTV herrscht Feierlaune. „Wir haben unsere Ziele für die EURO in hohem Maße übertroffen und konnten die Nutzung von MagentaTV deutlich steigern“, sagte Wolfgang Metze, Geschäftsführer Privatkunden bei der Telekom. RTL freute sich über eine „phänomenale Heim-EM“.
SID

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