Die Sozialen Netzwerke quollen über im Andenken an die Nacht von Rio: 13. Juli 2014, 23.34 Uhr, Maracana Stadion, ein angemessen monumentaler Ort, um Weltmeister zu werden. Deutschland bezwingt Argentinien mit 1:0, durch ein technisch hoch anspruchsvolles Tor von Mario Götze in der Verlängerung. Ein Gemälde für die Ewigkeit!
Die meisten Helden von 2014 haben an diesem Wochenende zehn Jahre zurückgeschaut. Matchwinner Götze etwas formulierte auf Social Media: „Ich bin glücklich, dass der WM-Titel Teil meiner Reise geworden ist und mich dahin geführt hat, wo ich jetzt bin.“
Wer die Entwicklung des inzwischen 32-Jährigen mitverfolgt hat, weiß, dass der Treffer Götze bisweilen auch zur Last geworden ist. Der prägendste Moment seiner Karriere brach damals zu einem Zeitpunkt über ihn hinein, als nach einer Saison beim FC Bayern schon absehbar war, dass er sich dort womöglich nicht würde durchsetzen können. Auch im DFB-Team stockte die Laufbahn. Götze ist danach durch einige Täler geschlurft und hat mit Durchhaltevermögen und Widerstandskraft reagiert.
Aber sein Beispiel steht auch symbolisch für die wenig dynamische Entwicklung, die der deutsche Fußball danach nahm: Die Generation Lahm, Podolski Mertesacker, Schweinsteiger, Klose hatte ihrem Karrierehöhepunkt nichts mehr hinzuzufügen. Diejenigen, die ihnen folgten, haben die Erwartungen des Landes nicht erfüllen können. Seit der Weltmeisterschaft 2018 sind sie stecken geblieben, auch Götzes DFB-Laufbahn versandete.
Ob die Europameisterschaft 2024 Aufbruchstimmung entfachen und tatsächlich zum Wendepunkt für den deutschen Fußball werden kann, ist seriös nicht absehbar. Der Talentepool hierzulande scheint zehn Jahre nach der Nacht von Rio weniger tief gefüllt. Weltmeistertrainer Joachim Löw, ein vormals Großer seines Fachs, verließen die Kräfte. In der Nachwuchsarbeit gab es – anders als in Spanien, England und Frankreich – keine kraft- und vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen DFB, Clubs und Landesverbänden.
DFB-Nachwuchs-Chef Hannes Wolf müht sich schon geraume Zeit um mehr Zugkraft und Strategie. Die Dynamik, die sich daraus entwickeln könnte, scheint zukunftsträchtig. Es tut sich was, immerhin. Aber das ist keine Perspektive für 2026. Sondern erst fürs nächste Jahrzehnt.