Goldene Erinnerung: Brink (l.) und Reckermann 2012. © imago
Julius Brink weiß, wie Olympische Spiele funktionieren. 2012 holte der heute 42-Jährige Gold im Beachvolleyball, in Paris steht er als DVV-Vizepräsident anders unter Druck. Ein Gespräch über damals und heute.
Herr Brink, die Olympischen Spiele beginnen und sie schicken vier von sechs möglichen Teams an den Start. Keine schlechte sportliche Zwischenbilanz ihrer ersten Monate als DVV-Vize, oder?
Naja, zufrieden bist du eigentlich erst, wenn du alle Plätze abräumst. Aber es stimmt schon. In der Halle war die Qualifikation nicht selbstverständlich. Die Männer haben einen Lucky Punch gelandet mit dieser tollen Woche in Brasilien. Im Beach war es ein bisschen umgekehrt. Da sind wir mit den Frauen gut vertreten.
Für viele ist die Geschichte der Spiele schon jetzt die von Laura Ludwig und Louisa Lippmann, die in nur eineinhalb Jahren die Qualifikation schafften. Eigentlich hört man oft von einer Faustregel, ein Team brauche drei Jahre, um zusammenzufinden.
Es ist sehr kurz. Und natürlich fehlt es den beiden noch am Feintuning. Aber Louisa hat eine enorme Entwicklung hingelegt. Sie bringt eine enorme Qualität im Blockspiel und im Aufschlag mit. Das ist ein RiesenpfunUnd trotzdem ist so ein Weg die Ausnahme.
Bei Ihnen selbst und ihrem Partner Jonas Reckermann lief der Aufbau in Richtung Olympia 2012 in London auch nicht unbedingt typisch, richtig?
Überhaupt nicht. Bei uns war direkt das erste Jahr überragend. Wir wurden Weltmeister, haben die Weltrangliste angeführt. Das zweite war dann ein Seuchenjahr mit vielen Verletzungen. Dann kam so eine Zeit der Konsolidierung. Bis hin zu Olympia, wo niemand etwas erwartet hat.
Heraus kam Gold. Haben Sie jemals verstanden, wie es Ihnen gelungen ist, auf diese Welle zu kommen, die Sie durch das Turnier getragen hat?
Ich glaube, ein Punkt ist, dass bei Olympia vieles anders ist. Olympia hat einen anderen Rhythmus. In der Weltserie ziehst du so ein Turnier in vier Tagen durch. Bei Olympia zieht sich ein Turnier über 12 Tage. Es findet an ungewohnten Orten statt. In Paris wird es unter dem Eiffelturm sein. Wenn du dich auf diese Dinge einstellen kannst, dann hast du gute Karten.
Heute erleben sie die Olympischen Spiele erstmals als Funktionär. Auffällig war, dass der neuen Führung um Markus Dieckmann und Sie große Vorschusslorbeeren entgegen gebracht wurden, obwohl Sie aus dem Beachvolleyball kommen.
Die Vorschusslorbeeren habe ich tatsächlich auch gespürt, das war sehr interessant. Aber ganz ehrlich: ich finde es falsch, zu sehr zu splitten. Im Endeffekt kommt doch jeder Beachvolleyballer aus dem Hallenvolleyball. Jeder beginnt dort. Jeder. Wenn man ehrlich ist, dann sind wir fast alle gescheiterte Hallenvolleyballer. Und haben das gleiche Interesse: Ich bin froh um jedes Kind, das mit Volleyball anfängt.
Inzwischen ist es nach den Streitigkeiten um ihre Vorgänger an der Verbandsspitze sehr ruhig geworden. Es gibt Leute, die sagen, dass Schiedsrichter und Funktionäre umso besser arbeiten, je weniger man von ihnen hört…
(Lacht) Das wäre so gesehen ein gutes Zeichen. Wobei ich zumindest den Anfang schon als sehr ruppelig empfunden habe. Inzwischen haben wir uns tatsächlich mehr zurückgezogen. Das war ja auch so gewollt, es ging ja vor allem darum, neue Vorstände zu installieren. Ich denke mal, das ist uns ganz gut gelungen. Aber du musst dann ein Gefühl entwickeln, wann du dich eher raushalten solltest.
INTERVIEW: PATRICK REICHELT