TV-KRITIK

Sostmeier – die Edith Piaffe von Paris

von Redaktion

Hallo, Nachtigall: Esther Sedlacek im Ersten.

Heute lernen wir: Hinter den Kulissen von Paris ist das Leben noch einmal so süß. Am Anfang hat man sich ja noch Sorgen gemacht um unsere TV-Chéries: Regen, Acht-Stunden-Maloche, überall Thomas Bach. Sollen wir Geld nachschießen? Muss die GSG9 sie da rausholen? Aber gestern früh hat eine sommerlich strahlende Esther Sedlaczek, die Nachtigall von Paris, gezeigt, wie glücklich sie ist: „Was ist schöner, als mit Sonnenstrahlen in den Tag zu starten?“, tirilierte sie und verriet: „Ich kann Ihnen sagen, die Arbeitsbedingungen hier bei uns sind alles andere als schlecht.“ Hach, Star bei den Öffis müsste man sein. Dann heißt es allzeit „Froh la la“. Wir haben uns mit Esther gefreut und vergeben nur prächtig gelaunte TV-Goldmedaillen.

Gold für Sigurd Alexander Adalbert Graf von der Groeben: Ja, so heißt er wirklich, der Kult-Graf, der Judo-Guru, der ZDF-König der großen Innensichel. Er zeigt, dass Pazifismus nicht immer eine Lösung ist. Der verbal grobe Gröben feiert jeden Würgegriff: „Da muss die Blutzufuhr zum Kopf unterbrochen werden!“ Im Erfolgsfall ist seine Euphorie grenzenlos: „Sie hat ihre Gegnerin abgewürgt!“ Das kennt man sonst nur von Fahranfängern. Gut, er spricht immer etwas gepresst, so dass es nach Verdauungsbeschwerden klingt. Aber von solchen Typen lebt doch Olympia. 68 ist der Sigurd mittlerweile, da droht hoffentlich nicht die Rente wie bei RTL-Gattin Ulrike. Übernehmen könnte ZDF-Hockeymann Adrian von der Groeben, bucklige Verwandtschaft. Aber der junge Mann klingt längst nicht so schnieke, er verdaut zu gut.

Gold für Carsten Sostmeier: Es ist eine Freude und große Poesie, dem Pferdekönig von Schloss Versailles lauschen zu dürfen. Bitte tun Sie das ausgiebig, Sie werden es nicht bereuen. Denn Monsieur ist die Edith Piaffe von Paris. Er lässt Goldfavorit Michael Jung hochleben: „Wissen Sie was, er tanzt durch den Schlosspark, er reitet nicht. Es ist dieses perfekte Menuett der feinfühligen Emotionen.“ Und der Mann von der Hippo-Bank schreibt romantische Liebesbriefe an edle Rösser: „So tänzerisch leicht wie das Lichtspiel einer Kerze.“ Wissen Sie was, Sosti kommentiert nicht, er singt und dichtet.

Gold für Andrea Petkovic: Es gibt handelsübliche Expertinnen und Experten – und es gibt die kluge, schöne, eloquente Petko, die Tennis-Esther. Wenn sie neben ZDF-Haudegen Aris Donzelli – mit auch noch fantastischer Stimme – erklärt, wie Alex Zverev das Feld für den Gegner klein macht, möchte man gern wissen, was Sostmeier über die Petkovic dichten würde. Und wehe, Graf Groeben würgt ihn dabei ab.

Gold für Bernd Schmelzer: Für jede Minute Petkovic bestraft einen das ZDF mit Claudia Neumann, die direkt im Anschluss losröhrt wie ein Opel, dem es gerade die Zylinderkopfdichtung rausfetzt. Aber man hat ja die Wahl und landet im ARD-Stream bei Frauenfußball-Aficionado Bernd Schmelzer. Er staunt mit den Zuschauern über eine kuriose Übertragung, deren Regisseur sich mehr für die kreischenden Fußball-Swifties auf der Tribüne interessiert als fürs Spiel. Irgendwann hat der BR-Kommentator die Nase voll und wettert: „Es geht hier eigentlich um ein Fußballspiel, und nicht um ein Fotoalbum.“ Sehr gut, das musste raus wie die Bratkartoffeln aus dem Groeben! Wir brauchen ein Gedicht. Motto: Für den Schmelzer schreib ich dicke Wälzer. Monsieur Sostmeier, s’il vous plaît!

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