Auf eine erfolgreiche Saison: Nach einer kurzen Ansprache ans Team stellte sich Ismaik jedem einzelnen Spieler persönlich vor. Hier schüttelt er Thore Jacobsen die Hand. © Marcus Schlaf
Smalltalk: Ismaik mit Aufsichtsrats-Chef Stimoniaris (l.) und den Geschäftsführern Christian Werner und Oliver Mueller. © ulk
München – Die Stimmung beim TSV 1860 nach der Auftaktpleite gegen Saarbrücken: Es fühlt sich an wie November, wenn klar ist, dass eine weitere Saison nicht zum ersehnten Aufstieg führen wird. Am Sonntag hatte Argirios Giannikis den Spielern freigegeben. Morgen geht‘s bereits im Totopokal weiter: Beim Kreisklasse-Club SSV Kasendorf wollen die Löwen versuchen, endlich mal wieder Tore zu schießen, möglichst viele (Anpfiff: 18.30 Uhr, Löwen-TV live).
An Motivation mangelt es nicht, zumal der Cup-Gewinn das erklärte Ziel von Sportchef Christian Werner ist. Einer wollte trotzdem sicher gehen, dass die blauen Fehlstarter nicht schon jetzt trübe Gedanken bekommen: Hasan Ismaik. Nachdem am Freitag bereits sein Bruder Yayha im Stadion war, überraschte der Investor die Mannschaft am Montagnachmittag mit einem Spontanbesuch. Für eine halbe Stunde schaute er an der Grünwalder Straße vorbei. Auch mit den beiden Geschäftsführern hielt er ein Pläuschchen.
Nach Informationen unserer Zeitung flog Ismaik in der Nacht zum Montag mit seinem Privatjet ein und wird bis Mitte der Woche in München bleiben. „Sein Ziel ist, ein Haus zu finden, in dem er wohnen kann, wenn er künftig häufiger in der Stadt ist“, sagt einer aus Ismaiks Umfeld auf unsere Frage, was der Grund für den Besuch des Jordaniers ist. Ismaik bestätigte das auf Nachfrage und fügte hinzu: „Ich möchte einen Teil der Trainingseinheit anschauen und der Mannschaft meine Unterstützung zusichern. Es ist nicht richtig, sie nach nur einem Spiel zu bewerten.“ Über seine weiteren Ziele sagte er: „Der Zweck meines Besuchs besteht darin, einige wichtige Gesprächstermine wahrzunehmen. Im Vordergrund steht, mit der Gründung eines neuen Fanclubs zu beginnen. Unser Ziel ist Einheit, nicht Spaltung. Ich habe große Unterstützung von treuen Fans erhalten. Wir arbeiten kontinuierlich, ohne nachzulassen. Wir habe klare Ziele und werden niemals nachgeben.“
Bei der Haussuche, dem privaten Ziel seiner Reise, will sich Ismaik auf die Stadt oder den Stadtrand konzentrieren, „Hauptsache mit Garten“. Bei seinem vierwöchigen München-Besuch im Juni hat sich Ismaik neu ins schöne (kühle) 1860-Land verliebt, „die grünen Landschaften, die Dörfer, die netten Menschen“. Naheliegend wäre, dass Ismaik heute auch gleich noch einen Abstecher nach Oberfranken macht, wo die Löwen im Totopokal antreten. „Eigentlich habe ich es nicht geplant, aber wenn die Umstände es zulassen, werde ich hinfahren“, versichert der Geschäftsmann, „oder es mir im TV-Stream ansehen.“
Vermutlich werden die Löwen die Hürde Kasendorf aber auch ohne Ismaiks Vor-Ort-Support bewältigen. Kasendorf ist der niederklassigste Verein, den 1860 im Totopokal 2024/25 erwischen konnten. Als Bezirksligist qualifizierte sich der SSV, danach jedoch löste sich die erste Mannschaft auf – und die zweite spielt seither in der Kreisklasse weiter, wo sie in den ersten vier Spielen ohne Punkte blieb. Die Löwen dagegen reisen mit Frust an und wollen endlich mal wieder Tore schießen, was zuletzt am 14. Juli gelang. Eine Blamage wie in Pipinsried vor einem Jahr soll vermieden werden, denn das erklärte Ziel ist, diesmal über den Totopokal in den DFB-Pokal einzuziehen. „Wir wollen das Ding gewinnen!“, sagte Sportchef Werner angriffslustig: „Wir nehmen den Pokal extrem ernst. Es ist ein ganz wichtiges Ziel, den Cup dieses Jahr zu gewinnen. Wir werden auch mit einem Topteam antreten – nicht nur in Kasendorf, sondern auch in jedem anderen Spiel, das in diesem Wettbewerb noch folgen wird.“ Ganz im Sinne von Ismaiks neuem Fanclub.
ULI KELLNER