Tanzte mit dem Ball zu Michael Jackson: Ausnahmekönnerin Darja Varfolomeev. © DPA
Die Perfektion leicht aussehen lassen, das kann Darja Varfolomeev. In der Qualifikation begeisterte Varfolomeev das Pariser Publikum, in der Rhyhtmischen Sportgymnastik könnte Deutschland dank eines Teenagers abräumen.
Im Alter von zwölf Jahren zog sie von Barnaul in Russland nach Fellbach an die Stadtgrenze Stuttgarts. Mutter Tatjana hatte zuvor ein Bewerbungsvideo der talentierten Sportgymnastin an den Deutschen Turner-Bund geschickt. Seitdem trainiert Varfolomeev am Bundesstützpunkt Fellbach-Schmiden und räumt reihenweise Medaillen ab. Mit drei Jahren nahm Mama Tatjana sie das erste Mal mit in Halle, nun gehört die Tochter längst zur Weltelite. Elf Medaillen bei Weltmeisterschaften, fünf bei Europameisterschaften. Und das im Alter von 17 Jahren, ein Wunderkind der Bewegung.
„Sie ist willensstark und sehr ehrgeizig, sehr fleißig. Sie bringt körperlich alle Voraussetzungen mit“, sagt Isabell Sawade, Teamchefin des Nationalteams der Rhythmischen Sportgymnastik unserer Zeitung. Varfolomeev ist selten mit sich zufrieden, sehr selbstkritisch, versucht immer, ihre Übungen noch weiter zu verbessern. Das Spiel mit der Perfektion eben. „Ich spüre schon ein wenig Druck. Aber der Druck muss auch immer dabei sein, weil man dann noch härter trainiert, um den Druck weg zu bekommen“, sagt sie.
Auf der einen Seite kann man mit der Ausnahmekönnerin Varfolomeev eine Sportart, die sonst eher unter dem Radar läuft und deren Weltmeisterschaft 2026 in Deutschland ausgetragen wird, wunderbar bewerben. Auf der anderen Seite ist es eine Schülerin, auf der dieser Druck lastet. „Da müssen wir auf jeden Fall aufpassen“, sagt Sawade: „Es ist eine Gratwanderung. Welchen Chancen können wir nutzen, die Sportart populärer zu machen? Aber sie ist noch sehr jung, wir haben eine Fürsorgepflicht und wollen nicht, dass sie verheizt wird.“
Varfolomeev hat einen Stil, der nach vorne geht. Der Publikum und Kampfrichter gleichermaßen mitreißt. Ein Tanz zu den Medaillen. „Sie ist eine große Entertainerin auf der Fläche. Ihr Stil ist unterhaltend. Sie bedient verschiedene Richtungen“, sagt Sawade. Mit dem Reifen das rockige, mit Ball Michael Jackson, mit Keule funky und mit Band was langsameres. „Sie ist nicht der klassische Typ, ich kann sie mir jetzt nicht auf Schwanensee vorstellen“, so Sawade: „Sie ist der rockige und moderne Typ.“
Der rockige und moderne Typ, der Gold regnen lassen könnte. „Olympia ist jeden Tag in meinem Kopf“, sagte Varfolomeev im Vorfeld unserer Zeitung. Die Sportart lebt von den ständigen Wiederholungen im Training, immer und immer wieder dasselbe machen. Die Symbiose aus aus Bewegung und Musik. „Wir gucken natürlich, dass es im Rahmen bleibt“, sagt Sawade: „Wir können und wollen es in Deutschland nicht so machen wie in anderen Ländern.“ Darja hat Spaß am Sport – und noch mehr Spaß an Erfolgen.
N. SCHMITZ