Es geht in die letzten drei Tage von Olympia 2024, ein ganzer Schub an Entscheidungen steht noch bevor – und fiebrig richtet sich der Blick auf den Medaillenspiegel. Ein Platz unter den ersten Zehn wurde offiziell angestrebt, dieses Ziel wird relativ sicher erreicht werden; Österreich (1x Gold, 1 x Bronze) holt uns jedenfalls nicht mehr ein. Aber was geht fürs „Team D“ noch nach oben? Interessanterweise bildet sich diesmal eine Rivalität mit einem anderen Nachbarn heraus, dessen Erfolge in Paris uns verwundern: die Niederlande. Im Olympischen bisher eher als Wintersportnation aufgefallen – wobei, das war schon sehr monokulturell: Die Holländer beherrschen das Eisschnelllaufen. Da greifen sie in einem Umfang ab, dass andere ihr ganzes Portfolio aus Schnee- und Eissportarten dagegenstellen müssen.
Was die Niederländer im direkten Vergleich mit Sommersport-Deutschland gefährlich macht: Auch sie sind sehr gut im Sitzsport. Radsport auf der Straße, der Bahn, im BMX-Parcours, Reiten, Rudern und Segeln, bei dem man zwar mal in angespannter Schräglage ist, sich aber auch immer wieder niederlassen kann – das ergab 15 Mal Edelmetall. Mehr als die 12 deutschen Plaketten aus Rad, Rudern, Reiten, Kanu-Rennsport und Kanuslalom. Man hat in Holland wohl sehr gutes Sitzfleisch. Vergleichswerte aus den Top Ten: Bei Italien waren es acht Sitzmedaillen, bei Japan nur eine.
Japan ist super im Judo, stand acht Mal auf dem Podium. Das Klischee von einer Sportnation erfüllt sich in diesem Fall. Die Niederländer hingegen überraschen: Vier Goldene, drei Silberne, eine Bronzene holten sie im – na? Rudern! Gehörte das nicht neulich noch den Briten, Deutschen, Neuseeländern? Aber der liebe Nachbar macht offensichtlich viel daraus, dass ihm reichlich Wasserfläche zur Verfügung steht. Dazu geht er formidabel mit dem Hockeykrummstock um und hat die fabelhafte Läuferin Femke Bol.
Deutschland – Niederlande, das große Finale im Medaillenspiegel. Leider sind unsere Reiter und Pferde (viermal Gold, einmal Silber) zurück in heimischen Stallungen, dafür müssen die Paddel das Wasser beim Kanu zum Kochen bringen und im Velodrom die futuristischen Räder aus der Forschungsstelle für die Entwicklung von Sportgeräten es wettmachen, wenn die anderen stark treten. Und wir schauen auf unsere Mannschaften und hoffen, dass es Staffeln gibt, von denen wir noch gar nichts wissen. Vor Spannung wird es uns nicht auf den Sitzen halten, obwohl wir auf denen so gut sind. Guenter.Klein@ovb.net