Ende eines eigentlich erfolgreichen Abends: Silbermedaillengewinnerin Malaika Mihambo. wird aus dem Stadion gefahren. © AFP/KIRILL KUDRYAVTSEV
Weitspringerin Malaika Mihambo hat in Paris die Silbermedaille gewonnen. Drei Jahre nach Gold in Tokio landete die 30-Jährige mit 6,98 Metern zwölf Zentimeter hinter Olympiasiegerin Tara Davis-Woodhall. Mit einem weiteren Erfolg hätte Mihambo als erste Weitspringerin der Olympia-Geschichte zweimal nacheinander Gold geholt. Die Athletin der LG Kurpfalz ist außerdem je zweimal Weltmeisterin und Europameisterin. Dramatisch wirkten die Szenen nach dem Wettkampf: Mihambo begab sich in Tränen aufgelöst zu ihrem Trainer Uli Knapp. Anlass war offensichtlich nicht die Enttäuschung über den Ausgang des Events, sondern die wohl auch krankheits- und stressbedingte Erschöpfung – schon bei der EM vor zwei Jahren in München war Mihambo nach dem Wettkampf kollabiert. Sie wurde wie zuvor schon Sprintstar Noah Lyles, der aktuell eine Corona-Infektion hat, im Rollstuhl aus dem Stade de France gebracht.
Ganz oben auf dem Treppchen stand diesmal die Amerikanerin Davis-Woodhall. Die WM-Zweite gewann mit 7,10 Metern. 2021 in Tokio war die 25-Jährige noch Sechste gewesen. Bronze bejubelte ihre US-Teamkollegin Jasmine Moore mit 6,96 Metern.
Die weiteren deutschen Starterinnen Mikaelle Assani und Laura Raquel Müller hatten sich nicht für das Finale in Saint-Denis qualifizieren können. Für die bisher einzige deutsche Medaille in der Leichtathletik hatte Zehnkämpfer Leo Neugebauer mit Silber gesorgt.
Ihren EM-Titel vor zwei Monaten in Rom hatte sich Mihambo mit der Jahresweltbestleistung von 7,22 Metern gesichert, damit brachte sie sich auch in die Favoritenrolle für Olympia. Eine Corona-Infektion bremste die dreimalige Sportlerin des Jahres danach in der Vorbereitung aus, trotzdem kam sie rechtzeitig wieder in Form. Die Qualifikation im Stade de France meisterte Mihambo nach zwei ungültigen Versuchen erst im letzten Sprung mit 6,86 Meter.
Im Finale startete Mihambo verhalten mit zwei gültigen Versuche auf 6,77 Meter und 6,81 Meter, die Konkurrenz startete allerdings stärker. Mihambo hatte ihren Anlauf extra rund einen Meter nach hinten verlegt, um das Brett besser zu treffen als in der Qualifikation. Dort war sie im entscheidenden Moment 6,86 Meter gesprungen – und hatte noch 30 Zentimeter verschenkt.
Davis-Woodhall segelte im zweiten Durchgang als erste über die Sieben-Meter-Marke und landete bei 7,05 Metern. Mihambo kam danach mit 6,95 Metern näher heran, der nächste Versuch war ungültig. Spitzenreiterin Davis-Woodhall verbesserte sich noch einmal um fünf Zentimeter, Mihambo tastete sich an die sieben Meter heran. Im letzten Versuch lief sie durch.
Ein Blick zu einem anderen Gigantinnenduell: Tokio-Olympiasiegerin Sydney McLaughlin-Levrone triumphierte über 400 m Hürden in der Weltrekordzeit von 50,37 Sekunden. Die US-Amerikanerin verbesserte ihre eigene Bestmarke um 28 Hundertstelsekunden und siegte vor Landsfrau Anna Cockrell (51,87). Nur Dritte wurde ihre niederländische Rivalin Femke Bol in 52,15 Sekunden. Das Duell wurde zur Solo-Show.
DPA/SID