Oranje hat die besseren Nerven

von Redaktion

Deutsche Hockey-Herren verpassen in einem Final-Krimi das fünfte Gold

Endstation Penaltyschießen: Hannes Müller scheitert für Deutschland an Pirmin Blaak. © dpa/Rolf Vennenbernd

Der große Kampf um die Goldmedaille war verloren, die deutschen Hockey-Männer sanken zu Boden – doch so richtig vorbei war dieses emotionale Finale gegen die Niederlande noch nicht. Ein Gegner in Orange provozierte den geschlagenen Torwart Jean-Paul Danneberg, Wut, Rudelbildung und Handgreiflichkeiten waren die Folge. Das olympische Endspiel endete im Chaos. Und das Warten der deutschen Männer auf das fünfte Gold geht weiter, Silber war in diesen Momenten ein schwacher Trost. 1:3 im Shootout hieß es am Ende gegen den großen Rivalen Niederlande, mit Tränen in den Augen drehte das deutsche Team später eine Ehrenrunde.

Auf eine Analyse hatte Kapitän Mats Grambusch dann keine Lust mehr. „Das ist mir alles scheißegal, weil wir verloren haben“, sagte er, „es tut einfach weh.“ Die deutschen Weltmeister waren in dieser Neuauflage des olympischen Endspiels von 2012 auf Augenhöhe mit dem Gegner, 1:1 (0:0) hatte es nach 60 intensiven Minuten gestanden. Thies Prinz (50.) glich die niederländische Führung durch Thierry Brinkman (46.) aus. Im Shootout hielt Danneberg dann zwei Versuche, doch es genügte nicht – und dann musste sich der Torhüter vom letzten Schützen Duco Telgenkamp auch noch verhöhnen lassen.

„Die Enttäuschung könnte nicht größer sein, wir haben bis zum Ende gekämpft“, sagte Bundestrainer Andre Henning, „wir haben aber leider nicht die Qualität gezeigt, die man im Penaltyschießen braucht.“ Einzig Justus Weigand verwandelte. Damit starb die Hoffnung auf das fünfte deutsche Olympia-Gold nach 1972, 1992, 2008 und 2012. In London hatte sich Deutschland vor zwölf Jahren gegen die Niederlande durchgesetzt.

Immerhin: Deutschland fährt nach einem vierten Platz in Tokio 2021 wieder mit Edelmetall im Gepäck nach Hause. Die erste Medaille seit Bronze 2016 in Rio war der Auswahl des Deutschen Hockey-Bundes (DHB) schon mit dem Finaleinzug in Paris sicher, doch Kapitän Mats Grambusch und Co. verfolgten von Anfang an das Maximalziel. Silber zu haben sei „ein ganz, ganz großartiges Gefühl“ hatte der 31-Jährige erklärt: „Aber wir wollen Gold.“ Die hohen Ambitionen hatte Deutschland schon vor dem finalen Showdown um den Titel mit sechs Siegen aus sieben Spielen untermauert und dabei auch die Niederlande in der Vorrunde bezwungen (1:0).

Vor den Augen von Bundeskanzler Olaf Scholz und DOSB-Präsident Thomas Weikert, die sich unter den rund 15000 Zuschauern befanden, war die Mannschaft von Bundestrainer Andre Henning von Beginn an präsent in den Zweikämpfen. Es entwickelte sich eine intensive Partie auf Augenhöhe, in der beide Teams wenig zuließen.

Auch nach der Halbzeitpause neutralisierten sich die Mannschaften über weite Strecken, Jean-Paul Danneberg zeigte sich bei den wenigen Schüssen auf sein Tor zunächst hellwach. Auf der anderen Seite scheiterte auch Niklas Wellen an dem niederländischen Keeper Pirmin Blaak (42.). So ging es torlos ins letzte Viertel, dann ging die Niederlande jedoch gleich in Führung. Prinz brachte das DHB-Team nach einer eigentlich verunglückten Strafecke mit einem platzierten Schuss zurück ins Spiel – doch im Shootout bewies Oranje die stärkeren Nerven. Niklas Wellens geriet in eine Rangelei mit mehreren Niederländern. Danneberg hatte vor dem Finale der Erzrivalen behauptet, „die Holländer haben richtig Angst“. Das hatten die sich gemerkt – und nur auf die Chance zur Abrechnung gewartet. Sie ergab sich.
SID

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