„Dachte, wir wären weiter“

von Redaktion

Trainer Herbert ahnt: seine Bayern-Baskets brauchen Zeit

Wieder auf Kurs: Die Füchse Berlin. © IMAGO

Vor der Premiere bei den Bayern: Voigtmann. © IMAGO

Noch reichlich Redebedarf: Gordon Herbert und seine Bayern-Basketballer. © IMAGO

München – Immerhin musste Gordon Herbert nicht lange warten, um nach dem Ausrutscher in Ludwigsburg auf andere Gedanken zu kommen. Der kollektive Ausflug auf das Oktoberfest zu Wochenbeginn hatte es dem Trainer der Basketballer des FC Bayern angetan. Der Kanadier war lange nicht mehr da, letztmals vor mehr als 20 Jahren, damals als Würzburger Coach. Und nun also erstmals als (fast) echter Münchner, im bayerischen Outfit. „Das gefällt mir gut“, sagte er.

Das mag auch ein bisschen höflich gemeint gewesen sein. Und dass Herbert die Lederhose in den nächsten Tagen noch einmal überstreift, ist nicht unbedingt zu erwarten. Seinen Profis immerhin hat er den privaten Wiesn-Gang freigestellt. „Man darf nie vergessen, dass sie ein Leben haben“, betonte er. Und die Phasen in denen die Freizeit für die Korbjäger knapper wird, lassen nicht lange auf sich warten. Am Sonntag (15 Uhr) kommt Hamburg in den BMW-Park. Vier Tage später starten die Bayern im frisch eröffneten SAP Garden gegen Real Madrid in die knifflige Mission Euroleague.

Und natürlich stellt sich die Frage. Wie wirkt sich der Rückschlag in Ludwigsburg auf die Münchner Gemüter aus. Den Trainer selbst hat die Niederlage nicht unbedingt nervös gemacht, denn: „Ich bin schon seit zwei Wochen nervös“. Das war natürlich ein bisschen scherzhaft gemeint. Aber zumindest ein bisschen Kopfzerbrechen hat das erste BBL-Wochenende dem Weltmeister-Coach schon bereitet. „Es ist klar, dass du aus so einer Gruppe erst eine Mannschaft machen musst – wir sind noch keine Mannschaft“, sagte er, „ich hätte gedacht, dass wir schon weiter sind.“

Und viel Entwicklungszeit wird man gerade in Europa nicht kriegen. Das Auftaktprogramm hat es in sich. Nach der Eröffnung gegen Real Madrid warten Reisen zu Titelverteidiger Panathinaikos Athen und dem stark aufgerüsteten Partizan Belgrad, danach kommen Eurocup-Sieger Paris Basket und Olympiakos Piräus in den Garden. Ein Fehlstart, ähnlich wie in den beiden vergangenen Jahren, der die ambitionierten Bayern gleich wieder unter Zugzwang setzen würde, ist zumindest kein außergewöhnlich pessimistisches Szenario.

Aber Herbert setzt auf den Faktor Zeit. Und er setzt auf Johannes Voigtmann, der möglicherweise schon am Sonntag gegen die Hamburg Towers seine Premiere im Bayern-Trikot geben kann. Der Center-Routinier hatte sich ja schon in der Olympischen Vorrunde in Lille eine Fußverletzung zugezogen, deren Auswirkungen sich bis zum kleinen Finale gegen Serbien zunehmend mehr verschlimmerten. Doch jetzt scheint die Sache langsam aber sicher ausgeheilt. Vielleicht schon am Sonntag, spätestens aber gegen Real Madrid soll Voigtmann spielen.

Was für seinen Coach ein großer Faktor wäre. „Jo ist ein sehr erfahrener Spieler, der auf allerhöchster Ebene in Europa gespielt hat“, sagte er, „ein Führungsspieler, der der Mannschaft sehr stark weiterhelfen wird.“ Gordon Herbert weiß, wovon er spricht. Denn auch in der Nationalmannschaft war Voigtmann beim Siegeszug der vergangenen Jahre eine der tragenden Säulen.
PATRICK REICHELT

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